Ein Härtefallantrag ist ein Sonderantrag zur Bewerbung über hochschulstart: Bis zu ein Prozent der Studienplätze in Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie ist für Fälle außergewöhnlicher Härte vorgesehen. Anerkannt wird ein Härtefall, wenn eine Verzögerung des Studienbeginns um auch nur ein Semester für Dich unzumutbar wäre. Tatsächlich werden zu jedem Semester nur wenige Härtefallanträge anerkannt (Leitfaden Kap. 5.2). Für das Sommersemester 2027 muss der Antrag bis zum 15.01.2027 online gestellt sein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Es gibt zwei Sonderanträge: den Härtefallantrag (sofortige Zulassung) und den Nachteilsausgleich (bessere Durchschnittsnote). Beide stellst Du zeitgleich mit dem Zulassungsantrag, beide brauchen amtlich beglaubigte Nachweise.
  • Härtefälle gehören zu den Vorabquoten: Ein geringer Teil der Studienplätze ist für sie reserviert. Wer als Härtefall anerkannt ist, nimmt zunächst wie alle anderen Bewerber an Abiturbestenquote, ZEQ und AdH teil; erreicht er dort die Auswahlgrenzen nicht, kann die Anerkennung gegen Ende der Koordinierungsphase zu einem Zulassungsangebot führen.
  • Berücksichtigt werden gegenwärtige oder künftige Ausnahmesituationen, die eine sofortige Zulassung zwingend erfordern.
  • Ein abgelehnter Härtefallantrag bringt Dir im regulären Verfahren keine Nachteile.

Was zählt als außergewöhnliche Härte?

Die üblichen Auswahlkriterien werden nicht jedem Einzelfall gerecht. Deshalb darf ein geringer Teil der Studienplätze an Bewerber gehen, für die eine Nichtzulassung eine außergewöhnliche Härte bedeuten würde. Wer über die Härtefallquote zugelassen wird, verdrängt einen anderen Bewerber, der sonst den Platz erhalten hätte. Darum legt der Leitfaden einen besonders strengen Maßstab an: Nachzuweisen ist eine besonders schwerwiegende persönliche Ausnahmesituation, die gegenwärtige oder künftige Umstände betrifft. Als Beispiel nennt er eine Erkrankung mit Tendenz zur Verschlimmerung, die bei verzögertem Studienbeginn unmöglich machen würde, das Studium zu Ende zu führen.

Eine Schwerbehinderung allein rechtfertigt in der Regel keine sofortige Zulassung. Frühere Nachteile gleicht die Härtefallregelung nicht pauschal aus.

Anerkannte Gründe und ihre Nachweise

Der Leitfaden nennt Fallgruppen, in denen ein Antrag in der Regel Erfolg hat, sofern die Umstände vollständig belegt sind (Kap. 5.2).

Begründeter AntragNachweis
Krankheit mit Tendenz zur Verschlimmerung, die künftig die Belastungen des Studiums mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr zulässt; sonstige gesundheitliche Umstände, die die sofortige Zulassung erfordernAktuelles fachärztliches Gutachten
Beschränkung auf ein enges Berufsfeld durch körperliche Behinderung; das Studium lässt eine erfolgreiche Rehabilitation erwartenAktuelles fachärztliches Gutachten
Körperliche Behinderung, die jeder anderen zumutbaren Tätigkeit bis zur Zuweisung eines Studienplatzes im Weg stehtAktuelles fachärztliches Gutachten
Notwendigkeit, das bisherige Studium oder den bisherigen Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufzugebenAktuelles fachärztliches Gutachten
Besondere familiäre oder soziale Umstände, die die sofortige Zulassung erfordernZum Nachweis geeignete Unterlagen
Spätaussiedlung und im Herkunftsland begonnenes Studium, das dem gewählten Studiengang entsprichtAmtliche Bescheinigung über die Spätaussiedlung; Bescheinigung der Hochschule über das begonnene Studium
Frühere Zulassung für denselben Studiengang, die aus nicht selbst zu vertretenden zwingenden Gründen nicht genutzt werden konnteNachweis über den zwingenden Grund; früherer Zulassungsbescheid

Hast Du bereits ein Erststudium abgeschlossen und bewirbst Dich für ein Zweitstudium, gilt eine zusätzliche Voraussetzung: Nachgewiesen sein muss eine Krankheit oder Behinderung mit Tendenz zur Verschlimmerung, die die Belastungen in dem auf dem Erststudium beruhenden Beruf unzumutbar macht. Das fachärztliche Gutachten muss dann auch erklären, warum der bisherige Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann, ein erneutes Studium mit neuer Berufsausrichtung aber möglich ist.

Was als Härtefall nicht gilt

Für diese Fälle hält der Leitfaden fest, dass eine außergewöhnliche Härte grundsätzlich nicht angenommen werden kann (Kap. 5.2):

GruppeUnbegründeter Antrag (Beispiele aus dem Leitfaden)
Praxis oder ApothekeBefürchtete Nachteile bei weiterem Warten, wenn eine Arztpraxis oder Apotheke übernommen werden soll (eigene Existenz, Versorgung der Bevölkerung im Einzugsgebiet)
Wechsel aus Studium oder BerufAufgabe des bisherigen Studiums oder Berufs wegen Arbeitslosigkeit, schlechter Berufsaussichten, fehlender Motivation oder Eignung oder aus Gewissensgründen; Aufnahme des Studiums zur Kompensation psychischer Erkrankungen
Eignung und VorleistungenBehauptete besondere Eignung für den erstgenannten Studiengang; langjährige theoretische Arbeit auf dem Gebiet; anrechenbare Studienleistungen oder Studienzeiten; erfolgreich abgeleistete praktische Tätigkeiten oder ein Dienst
Alter und WartezeitFortgeschrittenes Alter; Überschreiten einer Altersgrenze bei weiterer Verzögerung (etwa für den Vorbereitungsdienst oder das Beamtenverhältnis); wiederholte Ablehnung für den Studiengang
Familie und BindungFamiliäre Bindung an den Studienort; eigene Kinder; kranke, schwerbehinderte oder pflegebedürftige Familienmitglieder
SonstigesVerlust gesetzlicher Studien- oder Prüfungserleichterungen ohne sofortige Zulassung; regionale Beschränkung der Hochschulzugangsberechtigung; im Ausland begonnenes Studium, das dort nicht beendet werden kann; hohe Aufwendungen für das Reifezeugnis auf dem Zweiten Bildungsweg

Härtefall oder Nachteilsausgleich?

Beide Sonderanträge stehen im Leitfaden nebeneinander, lösen aber verschiedene Probleme: Der Härtefallantrag verschafft eine sofortige Zulassung, der Nachteilsausgleich verbessert die Note, mit der Du in der Abiturbestenquote und im Auswahlverfahren der Hochschulen antrittst.

MerkmalHärtefallantrag (Kap. 5.2)Nachteilsausgleich (Kap. 5.1)
ZweckSofortige Zulassung über die Quote für HärtefälleVerbesserte Durchschnittsnote bzw. Punktzahl der Hochschulzugangsberechtigung
VoraussetzungIn der eigenen Person liegende besondere soziale oder familiäre Gründe erfordern die sofortige Aufnahme des Studiums zwingend; maßgeblich sind gegenwärtige oder künftige UmständeUmstände, die Du nicht selbst zu vertreten hast, haben Dich daran gehindert, beim Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung eine bessere Note zu erreichen; betrachtet werden die Leistungen der Oberstufe, nicht die Abiturprüfung selbst. Nachzuweisen ist auch, dass und wie sich die Umstände auf die Note ausgewirkt haben
NachweisAmtlich beglaubigte Kopien der Belege, meist fachärztliches Gutachten; schriftliche BegründungBeglaubigte Zeugniskopien; in der Regel Stellungnahme der Schulleitung (nicht der Lehrer) mit Unterschrift und Dienstsiegel; Unterlagen, auf die sich die Stellungnahme stützt
FristZeitgleich mit dem Zulassungsantrag, zum Sommersemester 2027 bis 15.01.2027; Alt-Abiturienten zum Wintersemester bis 15.07., wenn das Ereignis nach dem 31.05. eintratZeitgleich mit dem Zulassungsantrag, zum Sommersemester 2027 bis 15.01.2027; die Verlängerung bis 15.07. gilt hier nicht
WirkungAnerkannte Härtefälle nehmen zunächst an Abiturbestenquote, ZEQ und AdH teil; ein Angebot kann gegen Ende der Koordinierungsphase folgenDer Zulassungsantrag nimmt mit der verbesserten Note bzw. Punktzahl am Verfahren teil, nach dem Staatsvertrag in Abiturbestenquote und AdH

Auch bei einer ausländischen Hochschulzugangsberechtigung ist ein Nachteilsausgleich grundsätzlich möglich. Dazu musst Du belegen, dass die Abschlussnote auf Leistungen der Schuljahre direkt vor dem Abschluss beruht und nicht allein auf einer punktuellen Prüfung, und die Zusammensetzung der Endnote nachweisen. Mehr zu den Voraussetzungen steht im Artikel zum ausländischen Abitur.

Checkliste Nachweise

  • Online gestellter Zulassungsantrag, in dem Du im AntOn den Härtefallantrag angibst, plus der ausgedruckte, unterschriebene Antrag in Papierform.
  • Amtlich beglaubigte Kopien aller Belege; Bescheinigungen von Stellen mit Dienstsiegel müssen den Siegelabdruck tragen.
  • Aktuelles fachärztliches Gutachten, das zu jedem geltend gemachten Kriterium Stellung nimmt und Aussagen zu Entstehung, Schwere, Verlauf, Behandlungsmöglichkeiten und Prognose enthält. Es soll auch für medizinische Laien nachvollziehbar sein. Ergänzend eignen sich Schwerbehindertenausweis oder Feststellungsbescheid des Versorgungsamts.
  • Schriftliche Begründung, die die Gründe vollständig darlegt. Die Umstände müssen in Deiner Person liegen und dürfen nicht von Dir zu vertreten sein.
  • Papierunterlagen rechtzeitig versenden — zum Sommersemester 2027 müssen sie bis 20.01.2027 vorliegen, und Briefe brauchen in der Regel drei bis vier Werktage.

Antragstellung: Ablauf und Fristen

Du registrierst Dich wie gewohnt im DoSV, wählst einen Studiengang des Zentralen Verfahrens und teilst im AntOn mit, dass Du zusätzlich einen Härtefallantrag stellen möchtest (der Ablauf steht im Artikel zur Bewerbung über hochschulstart). Den online gestellten Antrag schickst Du mit den beglaubigten Nachweisen in Papierform an hochschulstart. Reiche ihn früh ein: Dann bleibt Zeit, fehlende Unterlagen nachzureichen.

Sonderanträge sind zeitgleich mit dem Zulassungsantrag zu stellen. Zum Sommersemester 2027 gilt dafür der 15.01.2027 (Ausschlussfrist). Zum Wintersemester 2027/28 gelten nach der Systematik des Leitfadens der 31.05.2027 für Bewerber, deren Hochschulzugangsberechtigung vor dem 16. Januar vorlag, sonst der 15.07.2027; die konkreten Termine veröffentlicht hochschulstart noch. Eine Besonderheit gilt nur für den Härtefallantrag: Tritt das beeinträchtigende Ereignis erst nach dem 31. Mai ein, können Alt-Abiturienten ihren Antrag noch bis zum 15.07. stellen und die Nachweise nachreichen. Alle Termine stehen im Fristen-Überblick.

Was passiert bei zu vielen anerkannten Härtefällen?

Übersteigt die Zahl der anerkannten Härtefälle an einer Wunschhochschule die Zahl der Plätze, entscheidet zuerst der Dienst: Zum Zug kommt, wer einen Dienst in vollem Umfang abgeleistet hat oder ihn bis zum 30.09. (Wintersemester) beziehungsweise 31.03. (Sommersemester) im Umfang der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestdauer abgeleistet haben wird. Danach entscheidet das Los. Dieselbe Abfolge gilt als nachrangiges Kriterium bei Punktgleichheit in Abiturbestenquote, ZEQ und AdH; der Artikel zum Losverfahren erklärt sie im Zusammenhang.

Diese Stichtage (30.09./31.03.) betreffen die Rangfolge. Als Zusatzqualifikation zählt ein Dienst in ZEQ und AdH dagegen nur, wenn er bis zum 31.07. (Wintersemester) beziehungsweise 31.01. (Sommersemester) die Mindestdauer erreicht hat — beide Stichtag-Paare erklärt der Artikel zu den Diensten.

Wenn der Antrag abgelehnt wird

Erkennt hochschulstart den Härtefallantrag nicht an, nimmst Du ganz normal am Vergabeverfahren teil, ohne dass Dir daraus Nachteile entstehen (Kap. 5.2). Welche Wege danach bleiben, hängt von Deiner Lage ab:

Wie viele Härtefallanträge werden anerkannt?
Der Leitfaden hält fest, dass zu jedem Semester nur wenige Härtefallanträge anerkannt werden (Kap. 5.2). Der Grund: Bei milderer Prüfung würden mehr Anträge anerkannt, als Plätze der Quote vorhanden sind, und dann müsste das Los entscheiden.
Wann erfahre ich, ob mein Antrag anerkannt wurde?
Die Entscheidung steht im Bescheid über Deinen Zulassungsantrag, den Du spätestens am Ende des Koordinierungsverfahrens erhältst. Eine ausführliche Begründung schickt hochschulstart auf schriftliche Anfrage.
Kann ich meinen Härtefallantrag vorab prüfen lassen?
Nein, eine Vorabprüfung von Härtefallgründen ist nicht möglich. Eine verbindliche Beurteilung gibt es nur im Rahmen des formal gestellten und vollständig nachgewiesenen Antrags, den Du zusammen mit dem Zulassungsantrag einreichst.
Gilt der Härtefallantrag für alle Studiengänge?
Ja. Die Entscheidung gilt für alle Bewerbungen, die Du im Zentralen Verfahren abgegeben hast: Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin (nur zum Wintersemester) und Pharmazie. Zum Sommersemester sind es drei Studiengänge.
Was gilt, wenn meine Schule keine Stellungnahme zum Nachteilsausgleich erstellen kann?
Das ist nur möglich, wenn die Schule die Auswirkungen nicht beurteilen kann, etwa nach kurzer Schulzugehörigkeit. Dann reichst Du eine entsprechende Mitteilung der Schule mit dem Antrag ein. Die Stellungnahme kann durch das Gutachten einer pädagogisch und psychologisch ausgebildeten Person ersetzt werden, das Du auf eigene Kosten beschaffst (Leitfaden Kap. 5.1).

Quellen

Stand: Oktober 2026. Die Angaben beruhen auf dem Leitfaden zum Sommersemester 2027; die Termine zum Wintersemester 2027/28 folgen der dort beschriebenen Systematik.