Ein Teilstudienplatz erlaubt das Medizinstudium nur bis zum Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, dem Physikum. Einen Anspruch auf die Fortsetzung im klinischen Abschnitt gibt er nicht: Wer bis dahin keinen Vollstudienplatz hat, bewirbt sich um einen Platz im höheren Fachsemester oder wird exmatrikuliert. Teilstudienplätze entstehen, weil eine Hochschule in der Vorklinik rechnerisch mehr Studierende ausbilden kann als in der Klinik. Gerichte weisen sie in Kapazitätsverfahren zu, und einzelne Länder setzen sie auch in der regulären Vergabe fest.

Was ein Teilstudienplatz ist

Der Staatsvertrag über die Hochschulzulassung regelt in Art. 11 Abs. 3: Besteht an einer Hochschule für den ersten Teil eines Studiengangs eine höhere Ausbildungskapazität als für spätere Teile, wird der Zulassungsbescheid auf den ersten Teil beschränkt. Bei Medizin ist das die Vorklinik bis zum Physikum. Die Kapazitätsverordnungen der Länder teilen den Studiengang dafür in zwei Abschnitte: den vorklinischen Teil bis zum Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung und den klinischen Teil bis zum Beginn des Praktischen Jahres. Ein Vollstudienplatz umfasst beide Teile — ein Teilstudienplatz nur den ersten.

Warum es Teilstudienplätze gibt

Jede Hochschule berechnet ihre Kapazität für Vorklinik und Klinik getrennt. In der Vorklinik zählen das Lehrangebot, also die Stellen und ihr Lehrdeputat, und der Ausbildungsaufwand je Studierendem; für den gesamten Studiengang Medizin gibt die Muster-Kapazitätsverordnung einen Curricularnormwert von 8,2 an, der auf die beteiligten Lehreinheiten aufgeteilt wird. Die Klinik wird zusätzlich an patientenbezogenen Faktoren geprüft, etwa an den tagesbelegten Betten des Klinikums und den ambulanten Kontakten (§ 17 KapVO).

Fällt das Ergebnis für die Klinik niedriger aus als für die Vorklinik, darf die Zulassungszahl nur dann über dem klinischen Wert liegen, wenn das Land die Fortsetzung des Studiums nach der Vorklinik gewährleisten kann (§ 18 Abs. 1 KapVO). Kann es das nicht, wird die Differenz als gesonderte Zulassungszahl festgesetzt (Abs. 2); das sind die Teilstudienplätze. Liegt umgekehrt die Vorklinik niedriger, richtet sich die Zulassungszahl nach ihr (Abs. 3). Die Landesregierung Hessen beschrieb 2015 die Rechtsprechung so: Gerichte weisen Teilstudienplätze aus, wenn die Berechnung für das erste Fachsemester mehr Plätze ergibt als für das erste klinische Semester zur Verfügung stehen.

So kommst Du an einen Teilstudienplatz

Es gibt zwei Wege. Der erste führt über die reguläre Vergabe: Die Länder können Teilstudienplätze festsetzen, und der Staatsvertrag erlaubt es, sie auch per Los zu vergeben (Art. 8 Abs. 5). Hessen sah in der Fassung der Hochschulzulassungsverordnung vom 2. Dezember 2019 (§ 18) vor, dass die Stiftung für Hochschulzulassung diese Plätze getrennt von den übrigen vergibt, und zwar per Los unter den Bewerbern, die den Teilstudienplatz zusätzlich beantragt haben. Niedersachsen setzte Voll- und Teilstudienplätze in seiner Zulassungszahlenverordnung nebeneinander fest (Zahlen weiter unten).

Der zweite Weg führt über das Verwaltungsgericht. Du beantragst die Zulassung außerhalb der festgesetzten Kapazität bei der Hochschule und stellst einen Eilantrag nach § 123 VwGO. Findet das Gericht in der Vorklinik zusätzliche Kapazität, nicht aber in der Klinik, ordnet es die Zulassung beschränkt auf den vorklinischen Abschnitt an. Wie dieses Verfahren abläuft und was es kostet, erklärt der Artikel zur Studienplatzklage.

Zahlen aus amtlichen Quellen

Die Zahlen unten stammen aus Entscheidungen und Landtagsunterlagen. Sie zeigen die Größenordnung zu den genannten Zeitpunkten, keine aktuelle Zulassungszahl.

Ort und ZeitpunktZahlenQuelle
Niedersachsen (Verfahren in Göttingen), Wintersemester 2015/16144 Voll- und 59 Teilstudienplätze festgesetzt; die Teilstudienplätze machten rund 29 Prozent ausBVerwG 6 C 18.19
Universität Göttingen, Sommersemester 2019182 Plätze festgesetzt (147 Voll-, 35 Teilstudienplätze); 169 Eilanträge; das Gericht verpflichtete die Universität zu 14 weiteren Zulassungen, beschränkt auf die VorklinikVG Göttingen, Pressemitteilung vom 07.05.2019
Universität Marburg, Wintersemester 2014/15455 Teilstudierende (335 davon in den Fachsemestern 1 bis 4) neben 2.052 mit VollstudienplatzHessischer Landtag, Drucksache 19/1876
Universität Frankfurt, Sommersemester 201528 Studierende mit auf die Vorklinik beschränktem Platz aufgrund von Beschlüssen des Verwaltungsgerichts; sonst vergibt Frankfurt keine TeilstudienplätzeHessischer Landtag, Drucksache 19/1876

Das Göttinger Beispiel zeigt die Dimension: Von 169 Antragstellern bekamen 14 einen zusätzlichen vorklinischen Platz, etwa jeder zwölfte. Marburg dagegen nimmt nach eigener Angabe keine neuen Teilstudierenden mehr auf.

Vom Teilstudienplatz in die Klinik

Der Teilstudienplatz endet mit dem Physikum. Der Weg in die Klinik besteht aus diesen Schritten:

  1. Physikum bestehen. Termine und Quoten stehen im Artikel zum Physikum; wie die Vorklinik in den Studienablauf passt, zeigt der Artikel zum Ablauf des Medizinstudiums.
  2. Einen Vollstudienplatz im höheren Fachsemester beantragen, bei Medizin das fünfte. Marburg etwa nimmt den Antrag über sein Bewerbungsportal an; dort gibst Du an, dass es um die Umwandlung eines Teil- in einen Vollstudienplatz geht. Die Frist endet für das Sommersemester am 15. Januar und für das Wintersemester am 15. Juli.
  3. Parallel an anderen Hochschulen im höheren Fachsemester bewerben. Fristen, Unterlagen und Auswahlregeln erklärt der Artikel zum Quereinstieg.
  4. Prüfen, ob ein Tausch in Frage kommt. Er setzt dasselbe Fachsemester und die Zustimmung beider Hochschulen voraus; wie Du Tauschpartner findest, steht im Artikel zum Studienplatztausch.

Bei der Auswahl galt in Hessen 2015: Inhaber eines Teilstudienplatzes bilden eine bevorzugte Bewerbergruppe, bei Ranggleichheit entscheidet das Los, und Abiturnote und Physikumsergebnis zählen nicht. Marburg rät seinen Teilstudierenden, sich auf allen verfügbaren Wegen um einen Vollstudienplatz zu bewerben: über hochschulstart und intern im höheren Fachsemester.

Chancen und Risiken

Der Teilstudienplatz verschafft Dir den Einstieg in das Studium und die Vorklinik — einen Klinikplatz bekommst Du damit nicht. Hessen meldete für 2015, dass nach dem Physikum an der Universität Frankfurt 16 Studierende exmatrikuliert wurden (Wintersemester 2014/15) und an der Universität Marburg 53 beziehungsweise 17 ihr Studium nicht fortsetzten (Wintersemester 2014/15 und Sommersemester 2015), auf eigenen Antrag oder von Amts wegen. Die Landesregierung nannte als Grund, dass die klinische Kapazität mehr als erschöpft sei.

Außerdem bleibt das Prozessrisiko. Das Bundesverwaltungsgericht verneinte am 24.11.2021 im Verfahren 6 C 18.19 den Anspruch des Klägers auf einen Teilstudienplatz und urteilte, das Kapazitätserschöpfungsgebot verlange keine Vermehrung der Teilstudienplätze um die Studierenden, die das Physikum schon haben und im ersten Semester auf einem Vollstudienplatz zugelassen sind. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf lehnte für die Wintersemester 2023/24 und 2024/25 Anträge auf außerkapazitäre Zulassung zur Vorklinik ab; die Antragsteller trugen die Kosten. Dort läuft Medizin als Modellstudiengang — das Land darf dessen Kapazität in der Erprobungsphase abweichend festsetzen.

Wer das Risiko meiden will, bewirbt sich zusätzlich im zentralen Verfahren. Wie das Los dort wirkt, erklärt der Artikel zum Losverfahren.

Bekomme ich nach dem Physikum automatisch einen Klinikplatz?
Nein. Mit dem Teilstudienplatz besteht kein Anspruch auf die Fortsetzung im klinischen Abschnitt. Wer bis zum Physikum keinen Vollstudienplatz erworben hat, wird exmatrikuliert (so regelt es zum Beispiel Hessen). Du bewirbst Dich um einen Platz im höheren Fachsemester, an der eigenen oder an einer anderen Hochschule; wie das abläuft, steht im Artikel zum Quereinstieg.
Was kostet der Weg zum Teilstudienplatz?
Kosten entstehen vor allem im Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht: Gerichtskosten und Anwaltsgebühren je Verfahren, bei Misserfolg trägst Du sie selbst. Eine Modellrechnung mit gesetzlichen Gebühren steht im Artikel zur Studienplatzklage. Hinzu kommt der Semesterbeitrag der Hochschule.
Gibt es Teilstudienplätze über hochschulstart?
In Einzelfällen ja. Der Staatsvertrag über die Hochschulzulassung lässt zu, den Zulassungsbescheid auf den ersten Studienabschnitt zu beschränken, und erlaubt dafür auch das Los (Art. 11 Abs. 3, Art. 8 Abs. 5). Ob und wie ein Land davon Gebrauch macht, regelt sein Recht. Hessen sah 2019 ein eigenes Los der Stiftung vor; die Universität Marburg nimmt heute keine neuen Teilstudierenden mehr auf.
Wann werde ich bei einem Teilstudienplatz exmatrikuliert?
Mit dem erfolgreichen Abschluss des vorklinischen Abschnitts, wenn bis dahin kein Vollstudienplatz erworben wurde. In Hessen nennt die Landesregierung dafür § 59 des Hessischen Hochschulgesetzes. Die Einzelheiten unterscheiden sich je Land und Hochschule. Den Zugelassenen ist die Beschränkung nach Auskunft der hessischen Landesregierung bei Studienbeginn bekannt.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Die Zahlen gelten für die genannten Zeitpunkte; aktuelle Zulassungszahlen stehen in den Zulassungszahlenverordnungen der Länder.