Ein eigenständiges „Losverfahren" für Medizinstudienplätze, bei dem unabhängig von Note oder Test ausgelost wird, existiert im zentralen Vergabeverfahren von hochschulstart nicht. Das Los taucht im Leitfaden ausschließlich als allerletztes, nachrangiges Kriterium auf — es greift erst, wenn zwei Bewerber:innen nach Punktzahl und abgeleistetem Dienst exakt gleichauf liegen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Es gibt kein separates Kontingent, das per Losentscheid vergeben wird — die Studienplätze werden über Abiturbestenquote, ZEQ und AdH nach Punkten vergeben.
  • Das Los ist in mehreren Quoten das letzte von mehreren nachrangigen Kriterien bei Punktgleichheit, direkt nach einem abgeleisteten Dienst.
  • Wer auf „Glück haben, weil ausgelost wird" setzt, verkennt das Verfahren: Ohne konkurrenzfähige Note, Testergebnis oder Kriterien kommt man an die Stelle, an der das Los überhaupt greift, meist gar nicht erst heran.
  • Die Suche nach einer „Studienplatzbörse" für Medizin führt in die Irre — für die vier bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengänge beschreibt hochschulstart stattdessen das koordinierte Nachrücken.

Warum es kein eigenständiges „Losverfahren Medizin" gibt

Die Suchanfrage „Losverfahren Medizin" erweckt oft den Eindruck, es gäbe neben Abiturbestenquote, ZEQ und AdH einen vierten Vergabeweg, der schlicht auslost. Das ist ein Missverständnis. Alle Studienplätze in Human-, Zahn-, Tiermedizin und Pharmazie werden über die drei im Artikel zu den drei Quotenbeschriebenen Verfahren vergeben — ergänzt um die Härtefallquote und weitere Vorabquoten. Ein Los als eigenständiger, ergebnisoffener Vergabeweg kommt darin nicht vor.

Woher stammt die Verwechslung dann? Vermutlich aus zwei realen, aber deutlich eingeschränkteren Mechanismen: dem Los als reinem Tiebreaker bei Punktgleichheit (siehe unten) und dem sogenannten Direktvergabeverfahren, mit dem manche Hochschulen freie Plätze in örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen außerhalb des DoSV nachbesetzen. Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie gehören als bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge nicht zu dieser zweiten Kategorie — für sie läuft jede Vergabe, auch die Nachbesetzung freier Plätze, über das koordinierte Nachrücken im DoSV-Benutzerkonto.

Wo das Los im Leitfaden tatsächlich auftaucht

Der Leitfaden nennt das Los an drei Stellen — immer als letztes von mehreren nachrangigen Kriterien, die erst bei exakter Punktgleichheit zum Tragen kommen:

  • Abiturbestenquote: Bei gleichem Punktwert auf der Landesliste entscheidet zunächst ein abgeleisteter Dienst, danach das Los.
  • Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH): Bei gleicher erreichter Punktzahl auf der hochschuleigenen Rangliste gilt dieselbe Reihenfolge — erst Dienst, dann Los.
  • Härtefallquote: Übersteigt die Zahl anerkannter Härtefälle die verfügbaren Plätze, entscheidet zunächst wieder ein vollständig oder rechtzeitig abgeleisteter Dienst, zuletzt das Los.

Für die Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ) nennt der Leitfaden das Los nicht ausdrücklich als eigenes nachrangiges Kriterium. Mehr zu den regulären Auswahlkriterien der drei Hauptquoten findest Du in den Artikeln zur Abiturbestenquote, zur ZEQ und zum AdH.

Wie realistisch sind Deine Chancen übers Los?

Ehrlich gesagt: eher gering, wenn Du sie als eigene Strategie einplanst. Damit das Los überhaupt zum Zug kommt, musst Du zunächst mit Deiner Punktzahl exakt gleichauf mit mindestens einer anderen Person liegen — und selbst dann entscheidet vorher noch ein abgeleisteter Dienst. Wer auf einen Studienplatz „durch Losglück" hofft, ohne konkurrenzfähige Abiturnote, Testergebnis oder anerkannte Kriterien mitzubringen, erreicht die Ranglistenposition, an der das Los relevant würde, in aller Regel gar nicht erst. Sinnvoller investierte Energie steckt in der Wahl aussichtsreicherStudienortswünsche oder in anerkanntenDiensten, die selbst schon als vorrangiges Tie­breaker-Kriterium vor dem Los greifen.

Kann ich mir einen Medizinstudienplatz erlosen, wenn ich mich einfach nur bewerbe?
Nein. Das Los entscheidet laut hochschulstart-Leitfaden ausschließlich dann, wenn zwei oder mehr Bewerber:innen nach allen anderen Kriterien exakt gleich platziert sind — es ist ein Tiebreaker, kein eigenständiger Vergabeweg.
Gibt es eine "Studienplatzbörse" für Restplätze in Medizin?
Für die bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengänge Human-, Zahn-, Tiermedizin und Pharmazie beschreibt der hochschulstart-Leitfaden dafür das koordinierte Nachrücken über das DoSV-Benutzerkonto, nicht eine separate Börse. Details dazu findest Du im Artikel zur <a href="/zulassung/hochschulstart/">Bewerbung über hochschulstart.de</a>.
Sticht ein abgeleisteter Dienst das Los?
Ja, in allen drei Hauptquoten gilt: Bei Punktgleichheit entscheidet zunächst ein abgeleisteter Dienst, erst wenn auch danach noch Gleichstand besteht, kommt das Los zum Einsatz.
In welchen Quoten kann das Los überhaupt eine Rolle spielen?
Als nachrangiges Kriterium ist das Los in der Abiturbestenquote, im Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) und bei der Rangfolge unter mehreren anerkannten Härtefällen vorgesehen. Für die ZEQ nennt der Leitfaden das Los nicht ausdrücklich als eigenes Kriterium.

Quellen

Stand der Recherche: 18. Juli 2026. Für die ZEQ nennt der Leitfaden kein ausdrückliches Los-Kriterium; sollte hochschulstart hierzu künftig detailliertere Angaben veröffentlichen, aktualisieren wir diesen Artikel.