Wer bereits ein Studium an einer deutschen Hochschule abgeschlossen hat, bewirbt sich für Medizin über die Zweitstudienquote: Höchstens drei Prozent der Studienplätze je Studienangebot sind dafür vorgesehen (Leitfaden Kap. 6). Die Rangfolge bestimmt eine Messzahl aus den Punkten für die Abschlussnote des Erststudiums und für den anerkannten Grund des Zweitstudiums. Zum Wintersemester 2026/27 lag die Messzahl, die für ein Zulassungsangebot nötig war, je nach Studienangebot zwischen 5 und 13.
Das Wichtigste in Kürze
- Zweitstudienbewerber bist Du, wenn Du mit Ablauf Deiner Bewerbungsfrist bereits ein Studium an einer deutschen Hochschule erfolgreich abgeschlossen hast.
- Vorgesehen sind höchstens 3 % der Plätze je Studienangebot, eine Vorabquote. Als Zweitstudienbewerber nimmst Du nicht an Abiturbestenquote, ZEQ und AdH teil (Art. 9 Abs. 6 Staatsvertrag).
- Die Messzahl setzt sich aus bis zu 4 Punkten für die Abschlussnote und bis zu 11 Punkten für den anerkannten Grund zusammen, dazu kommt gegebenenfalls ein Familienphasen-Zuschlag.
- Bei gleicher Messzahl entscheidet zuerst ein Dienst, der bis zum 31.03. (Sommersemester) beziehungsweise 30.09. (Wintersemester) vollständig abgeleistet ist, danach das Los.
- Zum Sommersemester 2027 gilt der 15.01.2027. Zum Wintersemester richtet sich die Frist nach dem Abschlussdatum des Erststudiums: vor dem 16.01. der 31.05., danach der 15.07.
Wer gilt als Zweitstudienbewerber?
Als Zweitstudienbewerber giltst Du, wenn Du ein Studium an einer deutschen Hochschule abgeschlossen hast und nun einen der zentral vergebenen Studiengänge aufnehmen möchtest: Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin (nur zum Wintersemester) oder Pharmazie. Ein Studium ist abgeschlossen, sobald die vorgeschriebene staatliche oder akademische Abschlussprüfung bestanden ist, also etwa Staatsexamen, Diplom, Magister oder Bachelor. In Rechtswissenschaft und in den Lehramtsstudiengängen genügt die bestandene Erste Staatsprüfung oder der Bachelor; ein Pharmaziestudium gilt mit dem Zweiten Teil der Pharmazeutischen Prüfung als abgeschlossen. Nach dem Staatsvertrag erfolgt die Auswahl nach den Prüfungsergebnissen des Erststudiums und den Gründen für das weitere Studium (Art. 9 Abs. 4).
Die Messzahl: Abschlussnote plus Gründe
Die Messzahl ist die Summe aus zwei Punktwerten. Für die Abschlussnote Deines Erststudiums gibt es diese Punkte:
| Note des Erststudiums | Punkte |
|---|---|
| ausgezeichnet, sehr gut | 4 |
| gut, voll befriedigend | 3 |
| befriedigend | 2 |
| ausreichend | 1 |
| Note nicht nachgewiesen | 1 |
„Voll befriedigend“ ist der Wortlaut des Leitfadens und bezeichnet eine Notenstufe zwischen „gut“ und „befriedigend“. Die Note muss im Abschlusszeugnis oder in einer Bescheinigung der zuständigen Stelle stehen; andernfalls legt hochschulstart den schlechtesten Leistungsgrad zugrunde.
Die zweite Komponente ist der Grund für das Zweitstudium. Wer nach einer Familienphase, etwa mit Kindererziehung, eine frühere Berufstätigkeit aufgegeben hat, erhält zusätzlich bis zu 2 Punkte. Mehrere Gründe werden nicht addiert: Es zählt die günstigste Fallgruppe, der Familienphasen-Zuschlag kommt unabhängig davon hinzu. Die höhere Messzahl geht der niedrigeren im Rang vor.
Die fünf Fallgruppen im Detail
| Fallgruppe | Punkte | Beispiel | Nachweis und Darlegung (Kap. 6.1) |
|---|---|---|---|
| 1: zwingende berufliche Gründe | 9 | Die Aufnahme eines Berufs setzt zwingend, etwa aufgrund gesetzlicher Vorgaben, zwei abgeschlossene Studiengänge voraus | Amtlich beglaubigte Kopien der Nachweise |
| 2: wissenschaftliche Gründe | 7, 9 oder 11 | Längere Forschungszeiten als wissenschaftlicher Assistent, abgeschlossene Promotion, einschlägige Publikationen | Gutachten der erstgenannten Hochschule; 7 Punkte bei gewichtigen, 9 bei besonders gewichtigen, 11 bei überragenden Gründen |
| 3: besondere berufliche Gründe | 7 | Erst- und Zweitstudium ergänzen sich für ein konkretes Berufsziel; ein bloßer Berufswechsel genügt nicht | Darlegung der individuellen Berufsplanung und des sachlichen Zusammenhangs beider Studiengänge |
| 4: sonstige berufliche Gründe | 4 | Die berufliche Situation verbessert sich erheblich, obwohl das Zweitstudium das Erststudium nicht ergänzt | Darlegung im Einzelnen, warum das Studium zu befürworten ist |
| 5: sonstige Gründe | 1 | Alle übrigen Zweitstudienvorhaben | Formlose schriftliche Begründung |
Rechenbeispiele als Modell
Die beiden Fälle zeigen, wie sich die Punkte addieren. Beide sind Modellrechnungen mit den Punktwerten aus dem Leitfaden.
| Baustein | Fall A | Fall B |
|---|---|---|
| Abschlussnote Erststudium | sehr gut: 4 | gut: 3 |
| Grund des Zweitstudiums | wissenschaftliche Gründe von besonderem Gewicht: 9 | sonstige berufliche Gründe: 4 |
| Familienphasen-Zuschlag | keiner: 0 | angenommen der Höchstwert: 2 |
| Messzahl | 13 | 9 |
In Fall B hängt die Höhe des Zuschlags vom Grad der Betroffenheit ab; die 2 Punkte sind der Höchstwert. Bei gleicher Messzahl entscheiden die nachrangigen Kriterien: zuerst ein vollständig abgeleisteter Dienst, zuletzt das Los. Als Dienst gilt auch die Betreuung eines Kindes unter 18 Jahren oder eines pflegebedürftigen Angehörigen bis zur Dauer von drei Jahren; glaubhaft gemacht werden müssen mindestens sechs Monate bis zum Stichtag.
Gutachtenverfahren bei wissenschaftlichen Gründen
Machst Du wissenschaftliche Gründe geltend, reicht die Online-Bewerbung allein nicht. Zusätzlich beantragst Du bei der Hochschule, die Du im Zulassungsantrag an erster Stelle genannt hast, ein Gutachten, und zwar so früh wie möglich, weil die Erstellung länger dauert. Dafür gibt es ein Anforderungsformular („Aufnahme eines Zweitstudiums aus wissenschaftlichen Gründen“). Die Hochschule bewertet Deine Unterlagen, setzt die Punktzahl fest und leitet das Ergebnis direkt an hochschulstart weiter.
Kann die Hochschule die Frist nicht einhalten oder fällt das Gutachten negativ aus, setzt hochschulstart die Punktzahl anhand der beruflichen Gründe fest. Dieselben Unterlagen schickst Du auch an hochschulstart, jedoch keine vollständigen Bachelor- oder Masterarbeiten. Machst Du nur berufliche Gründe geltend, legt hochschulstart die Punktzahl allein fest und ein Gutachten entfällt.
Chancen einschätzen
In den Auswahlgrenzen zum Ende der Koordinierungsphase weist hochschulstart die Messzahlen aus, mit denen ein Zulassungsangebot erreicht wurde. Zum Wintersemester 2026/27 lagen sie je Studienangebot zwischen 5 und 13: An 17 von 42 Studienangeboten betrug sie 5, der Median lag bei 9, den höchsten Wert hatte die Charité mit 13. Zum Sommersemester 2026 reichten die Werte der 11 Studienangebote von 10 bis 12. Bei diesen Zahlen können nachrangig ein Dienst und das Los mitgewirkt haben. Rechnerisch ergibt die Note „sehr gut“ (4 Punkte) mit besonderen beruflichen Gründen (7 Punkte) eine Messzahl von 11 — das Niveau, das zum Wintersemester 2026/27 an sechs Studienangeboten verlangt wurde.
Reicht die Messzahl nicht, kommen diese Wege in Betracht:
- Ein Quereinstieg ins höhere Fachsemester, wenn Du anrechenbare Studienleistungen hast.
- Der Wechsel von der Zahnmedizin: Zahn zu Human.
- Die Studienplatzklage gegen die Kapazitätsberechnung einzelner Hochschulen.
- Ein Medizinstudium im Ausland mit späterer Anerkennung.
Gründe für einen Härtefall bei Erkrankung oder Behinderung stehen im Artikel zum Härtefallantrag; für Zweitstudienbewerber gelten dort zusätzliche Voraussetzungen.
Antragstellung und Fristen
Auch als Zweitstudienbewerber registrierst Du Dich im DoSV und gibst Deine Bewerbung über AntOn ab; dort teilst Du mit, dass Du Dich für ein Zweitstudium bewirbst (Ablauf: Bewerbung über hochschulstart). Zum Antrag gehören der ausgedruckte, unterschriebene Zulassungsantrag, eine beglaubigte Kopie des Abschlusszeugnisses Deines Erststudiums, beglaubigte Kopien der Nachweise Deiner Gründe, gegebenenfalls ein Dienstnachweis und eine formlose schriftliche Begründung mit Angaben zu bisheriger Ausbildung, Berufstätigkeit und Berufsziel.
Zum Sommersemester 2027 gilt der 15.01.2027 für alle Bewerber, für das Nachreichen von Unterlagen der 20.01.2027. Zum Wintersemester 2027/28 hängt die Frist vom Abschlussdatum des Erststudiums ab: Wer vor dem 16. Januar 2027 abschließt, bewirbt sich bis zum 31.05.2027, wer danach abschließt, bis zum 15.07.2027. Für das Sommersemester gibt es nur den 15. Januar. Ein Dienst muss zum Sommersemester bis zum 31.03., zum Wintersemester bis zum 30.09. beendet sein, um als nachrangiges Kriterium zu zählen. Alle Termine stehen im Fristen-Überblick, die Dienste im Artikel zu den Diensten.
Welche Abschlüsse zählen als Erststudium?
Gelten die Zweitstudienregeln auch, wenn ich erst durch das Erststudium eine Studienberechtigung erworben habe?
Kann ich mehrere Gründe gleichzeitig geltend machen, um mehr Punkte zu bekommen?
Reicht es, bereits Studienleistungen anrechnen zu lassen, um ohne Bewerbung einzusteigen?
Quellen
- hochschulstart: Leitfaden für Ihre Studienplatzbewerbung, Sommersemester 2027, Kap. 4, 6 und 6.1 (Stand: 09.10.2026)
- Staatsvertrag über die Hochschulzulassung, Art. 9 (Vorabquoten, Zweitstudium)
- hochschulstart: Auswahlgrenzen Medizin, Wintersemester 2026/27 (Zweitstudienbewerbende, Messzahlen)
- hochschulstart: Auswahlgrenzen Medizin, Sommersemester 2026 (Zweitstudienbewerbende, Messzahlen)
Stand: Oktober 2026. Punkte und Fristen folgen dem Leitfaden zum Sommersemester 2027; die Messzahlen stammen aus den Auswahlgrenzen zum Ende der Koordinierungsphase und gelten nur für diese Verfahren.