Acht Studienorte ermöglichen ein Medizinstudium in Deutschland ohne Numerus clausus: sechs deutsche Privathochschulen und zwei Standorte ausländischer Universitäten. Die Kosten für die Regelstudienzeit liegen bei den deutschen Privathochschulen zwischen 76.800 und 118.000 €, bei den beiden Auslandsstandorten rechnerisch zwischen 88.700 und 183.900 € je nach Verbleib. Die Bewerbung läuft direkt bei der Hochschule und nicht über hochschulstart; der Gegenentwurf ist das zentrale Vergabeverfahren mit Abiturbestenquote, ZEQ und AdH.

Promotionsrecht in Medizin haben nur Witten/Herdecke (seit 1982) und die MHB Brandenburg (seit 16.10.2025). PMU Nürnberg und UMCH Hamburg vergeben kein deutsches Staatsexamen: Die PMU ist Standort einer privaten österreichischen Universität, die UMCH Standort einer staatlichen rumänischen.

Sechs deutsche Privathochschulen mit Staatsexamen

Vier der sechs Einrichtungen gehören zur IRO-Gruppe, einem Unternehmensverbund mit gemeinsamer Alleingesellschafterin: MSH Hamburg, MSB Berlin, HMU Potsdam und HMU Erfurt. Laut Wissenschaftsrat betreibt sie außerdem die BSP Business and Law School. Die HMU Potsdam hat laut Wissenschaftsministerium Brandenburg Zweigstellen in Düsseldorf/Krefeld und München, die ebenfalls Humanmedizin anbieten; die Tabelle führt die vier Standorte, für die die Hochschulen Gebühren und Termine veröffentlichen. Witten/Herdecke und die MHB Brandenburg sind eigenständig. Alle sechs führen zum deutschen Staatsexamen und zur Approbation nach der Approbationsordnung für Ärzte.

EinrichtungFormaler StatusPromotionsrecht MedizinGesamtkostenPlätze/Jahr
MSH Medical School HamburgFakultät Medizin: wissenschaftliche Hochschule, einer Universität gleichgestellt; unbefristet anerkanntKein eigenes (Psychologie seit 19.12.2025)94.500 €Rund 75 zusätzliche je Semester durch die Asklepios-Kooperation
MSB Medical School BerlinFakultät Medizin: wissenschaftliche Hochschule, einer Universität gleichgestellt; anerkannt bis 31.10.2030Kein eigenes94.500 €—
HMU PotsdamAls Universität im Sinne der Approbationsordnung anerkannt, zunächst bis 30.04.2028Kein eigenes94.500 €—
HMU ErfurtStaatlich anerkannt durch Thüringen (2021)Kein eigenes94.500 €—
MHB BrandenburgAls Universität im Sinne der Approbationsordnung anerkannt; kommunal-freigemeinnützige TrägerschaftSeit 16.10.2025, mit Habilitationsrecht118.000 €168 (84 je Semester)
Universität Witten/HerdeckeUniversität, seit 1982 unbefristet anerkanntSeit 1982, mit Habilitationsrecht76.800 €168 (84 je Semester)

Gesamtkosten für die Regelstudienzeit, Stand: Oktober 2026 (Studienjahr 2026/27). Die IRO-Werte sind aus den Monatsraten addiert (siehe Kostenabschnitt); MHB und Witten/Herdecke nennen Gesamtbeträge. Das Promotionsrecht der MSH betrifft Psychologie, für die MSB hat der Wissenschaftsrat es für Psychologie empfohlen; für Medizin gilt keines von beiden.

Zwei ausländische Studienstandorte ohne deutsches Staatsexamen

PMU Nürnberg und UMCH Hamburg sind Studienstandorte ausländischer Universitäten in Deutschland. Die PMU gehört zur privaten österreichischen PMU Salzburg, die UMCH zur staatlichen rumänischen Universität UMFST Târgu Mureș. Sie vergeben einen ausländischen Abschluss, der anschließend über EU-Recht in Deutschland anerkannt wird; wie die Anerkennung abläuft, beschreibt der Artikel Medizinstudium im Ausland, den Antrag mit Unterlagen, Fristen und Prüfungen der Artikel Approbation mit EU-Medizinstudium.

EinrichtungFormaler StatusPromotionGesamtkostenPlätze/Jahr
PMU NürnbergKein deutscher Hochschulstatus; Standort der privaten österreichischen PMU SalzburgKein deutsches; österreichischer Grad111.500 € Studienbeiträge (5 × 22.300 €)55
UMCH HamburgKein deutscher Hochschulstatus; Standort der staatlichen rumänischen Universität UMFST Târgu MureșNicht einschlägig; Promotion über UMFST Rumänien88.695 bis 183.895 € (EU-Bewerber)—

Zwei ältere Modelle ausländischer Universitäten gehören nicht zu den acht Studienorten: der Asklepios Campus Hamburg, an dem Studierende der Semmelweis-Universität Budapest den klinischen Abschnitt in Hamburger Asklepios-Kliniken absolvieren und ein Diplom der Semmelweis-Universität erhalten, und die Kassel School of Medicine, an der die Studierenden bei der University of Southampton eingeschrieben sind — beide ohne deutsches Staatsexamen.

Wie viel kostet ein Medizinstudium ohne NC?

Die deutschen Privathochschulen kosten für die Regelstudienzeit zwischen 76.800 € und 118.000 €. Witten/Herdecke ist mit 76.800 € am günstigsten — die deutsche Programmseite und die englische Gebührenübersicht der Universität nennen denselben Betrag. Die MHB Brandenburg verlangt 118.000 €, das sind 11.800 € je Semester bei zehn Semesterbeiträgen. Die vier IRO-Standorte liegen bei jeweils 94.500 €. Zum Vergleich: Semesterbeitrag und Miete an den staatlichen Studienorten zeigt der Artikel Lebenshaltungskosten nach Studienort.

Der Betrag der IRO-Standorte ergibt sich aus den Monatsraten der Hochschulen. Im ersten und zweiten Studienabschnitt sind es 1.500 € monatlich (10 Semester, 60 Monate, zusammen 90.000 €), im Praktischen Jahr bis zur Dritten Ärztlichen Prüfung 300 € (15 Monate, zusammen 4.500 €), insgesamt 94.500 € Studiengebühren. Hinzu kommen einmalig 100 € Einschreibe- und 500 € Bewerbungsgebühr, zusammen 95.100 €. Alle Gebühren nebeneinander zeigt der Privatuni-Kostenvergleich; Wege, die Summe zu finanzieren, stehen im Artikel Medizinstudium finanzieren.

Bei den Auslandsstandorten ist die Spanne größer. Die UMCH Hamburg verlangt von EU-Bewerbern 14.900 € je Semester sowie einmalig 595 € Bewerbungs- und 4.500 € Immatrikulationsgebühr. Bleiben die Studierenden alle sechs Jahre in Hamburg, ergeben sich rechnerisch 183.895 €. Wer ab dem dritten Studienjahr nach Rumänien wechselt, zahlt laut UMCH für das 3. bis 6. Studienjahr 3.000 €; je Semester gerechnet ergibt das 88.695 €. Die PMU Nürnberg berechnet je Studienjahr 22.300 € (drei Bachelor- und zwei Master-Jahre, zusammen 111.500 €) zuzüglich Bewerbungsgebühr und Nebenkosten.

Auswahlverfahren und Fristen im Vergleich

Die vier IRO-Standorte nutzen dasselbe Verfahren mit denselben Terminen; die übrigen Standorte unterscheiden sich in Test, Voraussetzungen und Fristen. Die Tabelle nennt nur Angaben, die die Hochschulen auf ihren Seiten veröffentlichen.

StandortTest und InterviewVoraussetzungenBewerbung und nächste TermineBewerbungsgebühr
MSH, MSB, HMU Potsdam, HMU ErfurtHochschuleigener Test (90 Minuten, naturwissenschaftliche Grundlagen, 25 %) und Videogespräch mit Fallsimulation (20 Minuten, 75 %); TMS wird nicht anerkanntHochschulzugangsberechtigung; Abiturzeugnis darf nachgereicht werdenAuswahlverfahren am 03./04.12.2026 und am 04./05.02.2027; Studienbeginn 1. April oder 1. Oktober500 €
MHB BrandenburgAuswahltag in Neuruppin mit mehreren Stationen, kein FachwissenstestAbitur oder mittlere Reife mit zweijähriger medizinischer Ausbildung und zwei Jahren Berufserfahrung; Motivationsschreiben bis 2 SeitenSommersemester 2027: zweite Auswahlrunde 15. bis 17.01.2027, Bewerbungsportal bis 30.11.2026 (das erste Auswahlwochenende war am 10./11.10.2026)200 €
Witten/HerdeckeKurzgespräch per Zoom, danach Auswahltag in Präsenz mit TeamentscheidungAbitur oder Fachabitur mit Bachelor; sechsmonatiges Pflegepraktikum; Motivationsschreiben bis 4 SeitenWintersemester 2027/28: Bewerbung 01.12.2026 bis 01.02.2027, Auswahl Ende April bis Ende Juni 2027250 €
PMU NürnbergElektronischer Aufnahmetest von rund 3,5 Stunden (Naturwissenschaften und Englisch 40 %, kognitive Fähigkeiten 40 %, Arbeitsstil 20 %)Hochschulreife; Latein (10 Wochenstunden, bis Ende des 1. Studienjahres nachholbar); 4 Wochen Berufsfelderkundung; Deutsch und Englisch B2 bis C1Jahrgang 2027: Bewerbung 01.11.2026 bis 31.03.2027, Aufnahmetest 14./15.04.2027 (Nürnberg) und 20. bis 22.04.2027 (Salzburg), Interviews 07. bis 18.06.2027290 €
UMCH HamburgAufnahmetest, gebucht über das Bewerbungsdashboard; Ergebnis binnen 48 StundenAbitur oder Abitur-Äquivalent mit Zeugnissen der Klassen 9 bis 12 (bzw. 13); Studienbeginn jeweils im Wintersemester Ende SeptemberVergabe fortlaufend, frühe Bewerbung empfohlen595 €

Stand: Oktober 2026, Angaben der Hochschulen. Die Einzelseiten nennen Ablauf und Unterlagen je Standort.

Universität oder Hochschule?

Promotions- und Habilitationsrecht in Medizin haben nur Witten/Herdecke (seit 1982) und die MHB (seit 16.10.2025). MSH und MSB gelten laut Anerkennungsbescheid als einer Universität gleichgestellt, die HMU Potsdam ist als Universität im Sinne der Approbationsordnung anerkannt, die HMU Erfurt staatlich anerkannt. Für Staatsexamen und Approbation macht das keinen Unterschied — er zeigt sich erst bei der Promotion. Die Einordnung mit allen Quellen steht im Artikel Universität oder Hochschule.

Physikum-Bestehensquoten im Vergleich

Von den sechs deutschen Privathochschulen nehmen drei am bundeseinheitlichen IMPP-Physikum teil und werden in den Ergebnisberichten ausgewiesen: MSB, MSH und HMU Potsdam. MHB Brandenburg und Witten/Herdecke ersetzen den Ersten Abschnitt im Modellstudiengang durch interne Prüfungen, ihre Quoten sind nicht vergleichbar. Die HMU Erfurt erscheint in den Berichten bis Herbst 2024 nicht. Ausgewertet sind die Termine Herbst 2023, Frühjahr 2024 und Herbst 2024. Im Durchschnitt liegen MSB, MSH und HMU Potsdam darin unter dem Bund von rund 96 % in der Referenzgruppe (Erstteilnehmer in Mindeststudienzeit). Bei MSB und MSH gilt das in jedem Termin, bei der HMU Potsdam schwankt der Wert zwischen 85,9 und 98,1 % und lag im Frühjahr 2024 über dem Bund.

HochschuleBestehensquote Herbst 2023 / Frühjahr 2024 / Herbst 2024 (Referenzgruppe)Durchschnittlicher Abstand zum Bund in Prozentpunkten
MSB Medical School Berlin74,5 % / 84,8 % / 72,2 %−19,0
MSH Medical School Hamburg88,1 % / 88,3 % / 90,6 %−7,1
HMU Potsdam85,9 % / 98,1 % / 95,6 %−2,9
Bund (alle Fakultäten)96,3 % / 96,2 % / 95,9 %—

Referenzgruppe: Erstteilnehmer, die den Ersten Abschnitt innerhalb der Mindeststudienzeit von vier Fachsemestern ablegen; sie vermeidet Verzerrungen durch unterschiedliche Wiederholeranteile. Die Bestehensquote ist 100 % minus der Anteil der Note 5. Je Termin zählen in der Referenzgruppe 52 bis 128 Teilnehmer der drei Hochschulen, einzelne Jahrgänge schlagen daher stark durch. Das IMPP weist darauf hin, dass die Ausweisung der hochschulbezogenen Ergebnisse nicht auf ein Ranking der Fakultäten abzielt. Quelle: IMPP-Ergebnisberichte Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, Tabelle 1.7, Herbst 2023, Frühjahr 2024 und Herbst 2024.

Welcher Weg passt zu wem?

  • Wer ein deutsches Staatsexamen und die Approbation sucht, wählt eine der sechs deutschen Privathochschulen; die Approbation ist dort dieselbe wie an staatlichen Fakultäten.
  • Wer auf die Gesamtkosten achtet, vergleicht Witten/Herdecke (76.800 €, auch mit Spätzahlung nach dem Studium) mit den IRO-Standorten (94.500 €). Die Konditionen der Zahlungsmodelle stehen im Artikel zur Finanzierung.
  • Wer promovieren oder forschen will, findet das Promotionsrecht in Medizin nur in Witten/Herdecke und an der MHB — an MSH und MSB laufen Promotionen über kooperative Verfahren mit promotionsberechtigten Hochschulen.
  • Wer mit einem österreichischen oder rumänischen Abschluss zufrieden ist, kann PMU Nürnberg oder UMCH Hamburg wählen und beantragt danach die Anerkennung; zum Weg siehe Medizinstudium im Ausland.
  • Wer die Abiturnote für den Wunschort mitbringt, prüft zuerst das staatliche Verfahren über hochschulstart.
  • Wer Privathochschulen mit Quoten, Bundeswehr und Klage vergleichen will, findet die Gegenüberstellung nach Bindung, Kosten und Dauer im Sonderwege-Vergleich.

Günstiger studieren: Medizin im EU-Ausland

Wer die Kosten der deutschen Privathochschulen scheut, findet im EU-Ausland teils günstigere Studienplätze mit anschließender Anerkennung der Approbation in Deutschland. Eine Übersicht über EU-Studienplätze mit Vermittlung bietet studimed.de.

Kann ich Medizin in Deutschland komplett ohne NC studieren?
Ja. An acht Studienorten entscheidet ein hochschuleigenes Auswahlverfahren über die Zulassung, je nach Standort mit Test, Gespräch oder Auswahltag; die Abiturnote spielt keine Rolle. Sechs davon sind deutsche Privathochschulen, zwei weitere (PMU Nürnberg, UMCH Hamburg) sind Standorte ausländischer Universitäten. Die Bewerbung läuft in allen Fällen direkt bei der Hochschule, nicht über hochschulstart.de.
Wie viel kostet ein Medizinstudium an einer privaten Hochschule?
Bei den deutschen Privathochschulen liegen die Kosten für die Regelstudienzeit zwischen 76.800 € (Witten/Herdecke) und 118.000 € (MHB Brandenburg). Die vier IRO-Standorte (MSH, MSB, HMU Potsdam, HMU Erfurt) kosten rechnerisch je 94.500 €. Bei den beiden Auslandsstandorten sind es rechnerisch 88.695 bis 183.895 € (UMCH, je nach Verbleib) bzw. 111.500 € Studienbeiträge (PMU).
Führt ein privates Medizinstudium zur gleichen Approbation wie an einer staatlichen Uni?
Bei den sechs Anbietern mit deutschem Staatsexamen (MSH, MSB, HMU Potsdam, HMU Erfurt, MHB, Witten/Herdecke) ja, die Approbation nach der Approbationsordnung für Ärzte ist identisch. PMU Nürnberg und UMCH Hamburg vergeben dagegen einen österreichischen bzw. rumänischen Abschluss, der über EU-Recht anerkannt wird.
Welche private Hochschule darf selbst promovieren?
Nur zwei: Die Universität Witten/Herdecke besitzt seit ihrer Gründung 1982 eigenes Promotions- und Habilitationsrecht, die MHB Brandenburg erhielt es am 16.10.2025 für Human- und Zahnmedizin. MSH, MSB, HMU Potsdam und HMU Erfurt haben kein eigenes Promotionsrecht für Medizin. Die MSH hat seit dem 19.12.2025 ein Promotionsrecht für Psychologie, für die MSB hat der Wissenschaftsrat dasselbe empfohlen.
Lohnt sich ein Medizinstudium im Ausland als günstigere Alternative?
Ein Medizinstudium im EU-Ausland kann finanziell günstiger sein als die deutschen Privathochschulen. Einen Überblick über EU-Studienplätze mit Vermittlung bietet studimed.de.

Quellen

Stand: Oktober 2026, Studienjahr 2026/27. Gebühren, Termine und Voraussetzungen nach den Angaben der Hochschulen; Physikum-Quoten nach den IMPP-Ergebnisberichten (Links im Abschnitt Physikum).