Acht Studienorte ermöglichen ein Medizinstudium in Deutschland ganz ohne Numerus clausus und ohne Wartesemester: sechs deutsche Privathochschulen und zwei ausländische Studienstandorte. Die Kosten für die komplette Regelstudienzeit reichen von 76.800 € an der Universität Witten/Herdecke bis 183.900 € an der UMCH Hamburg. Zugelassen wird überall über ein hochschuleigenes Auswahlverfahren statt über hochschulstart.de.
Was auf den ersten Blick nach acht vergleichbaren Alternativen zum zentralen Vergabeverfahren aussieht, ist bei genauerem Hinsehen sehr heterogen. Zwei der acht Studienorte sind gar keine deutschen Privathochschulen, sondern Standorte ausländischer Universitäten — einer davon, die UMCH Hamburg, ist sogar Standort einer staatlichen rumänischen Universität, keiner privaten. Beide vergeben zudem kein deutsches Staatsexamen. Von den sechs verbleibenden deutschen Privathochschulen hat nur eine seit der Gründung ein eigenes Promotionsrecht, eine zweite hat es erst 2025 bekommen — die übrigen vier nicht.
Sechs deutsche Privathochschulen mit Staatsexamen
Fünf der sechs Einrichtungen gehören zur sogenannten IRO-Gruppe unter derselben Geschäftsführung (MSH Hamburg, MSB Berlin, HMU Potsdam, HMU Erfurt); nur Witten/Herdecke und die MHB Brandenburg sind eigenständig. Alle sechs führen zum deutschen Staatsexamen und zur Approbation nach der Approbationsordnung für Ärzte.
| Einrichtung | Formaler Status | Promotionsrecht Medizin | Gesamtkosten | Plätze/Jahr |
|---|---|---|---|---|
| MSH Medical School Hamburg | Staatlich anerkannte private Hochschule, Fakultät Medizin einer Universität gleichgestellt (kein Universitäts-Status im Rechtssinne) | Kein eigenes für Medizin | ≈ 94.200 € | Nicht offiziell beziffert |
| MSB Medical School Berlin | Staatlich anerkannte private Hochschule, Fakultät Medizin einer Universität gleichgestellt (kein Universitäts-Status im Rechtssinne) | Kein eigenes für Medizin | 94.500 € | Nicht offiziell beziffert |
| HMU Potsdam | Anerkannt „als Universität im Sinne der Approbationsordnung" (befristet bis 2027) — keine allgemeine Universität im Rechtssinne | Kein eigenes für Medizin | ≈ 94.500 € | Nicht offiziell beziffert |
| HMU Erfurt | Staatlich anerkannte private Hochschule (Thüringen), kein Universitäts-Status im Rechtssinne | Kein eigenes für Medizin | ≈ 94.500 € | Nicht offiziell beziffert |
| MHB Brandenburg | Staatlich anerkannt, kommunale/gemeinnützige Trägerschaft | Eigenes Promotions- und Habilitationsrecht (seit Okt. 2025) | 118.000 € | 168 |
| Universität Witten/Herdecke | Staatlich anerkannte private Universität (seit 1982) | Eigenes, uneingeschränkt | 76.800 € | 168 |
Gesamtkosten jeweils für die komplette Regelstudienzeit bis zum Abschluss, Stand Juli 2026. Rechnerische Werte (≈) sind aus veröffentlichten Monatsraten addiert, nicht als Gesamtsumme auf der jeweiligen Website ausgewiesen. MSH und MSB erhielten vom Wissenschaftsrat im Oktober 2025 je eine befristete Promotionsrechts-Empfehlung für das Fach Psychologie — für Medizin gilt das ausdrücklich nicht. Für HMU Potsdam und HMU Erfurt liegt keine vergleichbare Empfehlung für irgendein Fach vor.
Zwei ausländische Studienstandorte ohne deutsches Staatsexamen
PMU Nürnberg und UMCH Hamburg sind keine deutschen Privathochschulen, sondern Studienstandorte ausländischer Universitäten in Deutschland — die PMU Nürnberg der privaten österreichischen PMU Salzburg, die UMCH Hamburg dagegen der staatlichen rumänischen Universität UMFST Târgu Mureș. Beide vergeben keinen deutschen, sondern einen ausländischen Studienabschluss, der anschließend über EU-Recht in Deutschland anerkannt wird.
| Einrichtung | Formaler Status | Promotion | Gesamtkosten | Plätze/Jahr |
|---|---|---|---|---|
| PMU Nürnberg | Kein deutscher Hochschulstatus — Standort der privaten österreichischen PMU Salzburg | Kein deutsches; österreichischer Grad | ≈ 111.200 € | 55 |
| UMCH Hamburg | Kein deutscher Hochschulstatus — Standort der staatlichen rumänischen Universität UMFST Târgu Mureș | Nicht einschlägig; Promotion über UMFST Rumänien | ≈ 88.700–183.900 € | k. A. |
Wie es zu dem Unterschied zwischen „Universität" und „Hochschule" bei den sechs deutschen Privathochschulen kommt und warum die Bezeichnung rechtlich mehr bedeutet als eine Wortwahl, erklärt der Artikel Universität oder Hochschule: warum der Unterschied zählt.
Wie viel kostet ein Medizinstudium ohne NC?
Die vier IRO-Standorte verlangen praktisch identische Monatsraten (1.500 €, später 300 € im Praktischen Jahr) und landen dadurch alle bei rund 94.200 bis 94.500 € Gesamtkosten. Die MHB Brandenburg ist mit 118.000 € die teuerste Adresse im Vergleich, bietet dafür aber als einzige der sechs Staatsexamens-Hochschulen neben Witten/Herdecke eigenes Promotionsrecht. Am günstigsten ist die Universität Witten/Herdecke mit 76.800 € laut deutscher Programmseite — die englische Finanzierungsseite der Universität nennt allerdings 73.200 €; diese Diskrepanz war zum Stand Juli 2026 nicht aufgelöst, vor einer Bewerbung lohnt eine direkte Nachfrage bei der Universität.
PMU Nürnberg (≈ 111.200 €) und UMCH Hamburg (rechnerisch 88.700 € bis 183.900 € je nach Verbleib in Hamburg oder Rumänien ab dem dritten Studienjahr) liegen preislich dazwischen, führen aber nicht zum deutschen Staatsexamen, sondern zu einem österreichischen bzw. rumänischen Abschluss mit anschließender Anerkennung nach EU-Recht.
Universität oder Hochschule: warum der Unterschied zählt
Nur die Universität Witten/Herdecke trägt seit ihrer Anerkennung 1982 tatsächlich den Titel Universität mit vollem Promotions- und Habilitationsrecht. MSH und MSB sind laut ihren Anerkennungsbescheiden „einer Universität gleichgestellt", aber „keine Universität im Rechtssinne". HMU Potsdam trägt eine andere, engere Sonderanerkennung — „Universität im Sinne der Approbationsordnung für Ärzte" —, die ausdrücklich kein allgemeiner Universitätsstatus ist; HMU Erfurt hat nicht einmal diese Sonderanerkennung, sondern gilt schlicht als staatlich anerkannte Hochschule ohne Universitätsstatus. Die MHB Brandenburg firmiert offiziell als „Hochschule", hat aber seit Oktober 2025 die wissenschaftlichen Kernrechte einer Universität. Die vollständige Einordnung mit der MHB-Pointe — das Land Brandenburg ging über die Wissenschaftsrat-Empfehlung hinaus — steht im Vertiefungsartikel.
Weitere ausländische Standorte: klinische Teilstudienorte
Neben PMU Nürnberg und UMCH Hamburg gibt es in Deutschland zwei ältere Modelle desselben Typs wie die UMCH Hamburg — Teilstudienorte staatlicher ausländischer Universitäten, keine Privathochschulen: den Asklepios Campus Hamburg, ein klinischer Teilstudienort der staatlichen ungarischen Semmelweis-Universität Budapest seit 2008 mit rund 50 Plätzen pro Jahr, und die Kassel School of Medicine, eine Kooperation mit der staatlichen britischen University of Southampton seit dem Wintersemester 2013/14 mit rund 24 Plätzen pro Jahr und britischem Abschluss. Beide vergeben keinen deutschen, sondern einen ausländischen Studienabschluss, der anschließend über EU-Recht anerkannt wird.
Physikum-Bestehensquoten im Vergleich
Kein NC heißt nicht, dass das Studium leichter wird — im Gegenteil: Von den sechs deutschen Privathochschulen nehmen nur drei überhaupt am zentralen IMPP-Physikum teil (MSB, MSH, HMU Potsdam); MHB Brandenburg und Witten/Herdecke prüfen im Modellstudiengang eigenständig und sind daher nicht vergleichbar, HMU Erfurt weist das IMPP mangels eigenem Jahrgang noch nicht separat aus. Bei allen drei vergleichbaren Hochschulen liegt die Bestehensquote über drei ausgewertete Prüfungstermine (Herbst 2023, Frühjahr 2024, Herbst 2024) unter dem Bundesdurchschnitt von rund 96 % (Referenzgruppe: Erstteilnehmer in Mindeststudienzeit) — bei der MSB Berlin deutlich und durchgehend, bei HMU Potsdam nur in zwei von drei Terminen und mit starken Schwankungen.
| Hochschule | Bestehensquote je Termin (Referenzgruppe) | Ø Differenz zum Bund |
|---|---|---|
| MSB Medical School Berlin | 74,5 % / 84,8 % / 72,2 % | −19,0 pp Ø |
| MSH Medical School Hamburg | 88,1 % / 88,3 % / 90,6 % | −7,1 pp Ø |
| HMU Potsdam | 85,9 % / 98,1 % / 95,6 % | −2,9 pp Ø (stark schwankend) |
Referenzgruppe = Erstteilnehmer:innen, die die Prüfung innerhalb der Mindeststudienzeit von 4 Fachsemestern ablegen — die fairste Vergleichsgröße, da Wiederholeranteile stark variieren. Bundesdurchschnitt der Referenzgruppe lag in den drei Terminen bei 96,3 %, 96,2 % und 95,9 %. Bei 52 bis 200 Teilnehmenden je Termin sind die Fallzahlen der Privathochschulen deutlich kleiner als an großen staatlichen Fakultäten (300–700 Teilnehmende) — einzelne Jahrgänge schlagen dadurch stärker durch. Das IMPP selbst betont, dass die hochschulbezogenen Zahlen nicht auf ein Ranking der Fakultäten abzielen. Quelle: IMPP-Ergebnisberichte Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, impp.de, ausgewertete Termine Herbst 2023 bis Herbst 2024.
Günstiger studieren: Medizin im EU-Ausland
Wer die Kosten der deutschen Privathochschulen scheut, findet im EU-Ausland teils günstigere Studienplätze mit anschließender Anerkennung der Approbation in Deutschland. Eine Übersicht über EU-Studienplätze mit Vermittlung bietet studimed.de.
Kann ich Medizin in Deutschland komplett ohne NC studieren?
Wie viel kostet ein Medizinstudium an einer privaten Hochschule?
Führt ein privates Medizinstudium zur gleichen Approbation wie an einer staatlichen Uni?
Welche private Hochschule darf selbst promovieren?
Lohnt sich ein Medizinstudium im Ausland als günstigere Alternative?
Quellen
- Wissenschaftsrat — Reakkreditierung MSH Hamburg, Drs. 2825-25 (31.10.2025)
- Wissenschaftsrat — Reakkreditierung MSB Berlin, Drs. 2826-25 (31.10.2025)
- MWFK Brandenburg — Promotions- und Habilitationsrecht MHB (16.10.2025)
- Wissenschaftsrat — Reakkreditierung Universität Witten/Herdecke (29.01.2024)
- AQ Austria — Ergebnisbericht PMU Nürnberg (2014)
- hamburg.de — § 117a HmHG-Anzeigeverfahren (UMCH Hamburg)
Alle Angaben Stand Juli 2026, vor Bewerbung direkt bei der Hochschule prüfen.