76.800 € kostet das Medizinstudium an der Universität Witten/Herdecke laut deutscher Programmseite — der niedrigste Wert unter den sechs deutschen Staatsexamens-Anbietern. Wer nicht direkt zahlen will, kann stattdessen über zehn Jahre einen Anteil des späteren Einkommens abgeben. Und anders als bei fast allen anderen Privathochschulen ist die Zulassung als Universität mit vollem Promotionsrecht hier kein Sonderfall, sondern seit 1982 Normalzustand.
Die einzige echte Privatuniversität von Anfang an
Trägerin ist die „Private Universität Witten/Herdecke gGmbH", größte Gesellschafter sind laut Selbstdarstellung der Universität die Software AG-Stiftung, die Stiftung Private Universität Witten/Herdecke sowie die IWU gGmbH. Am 14.07.1982 erkannte das Land Nordrhein-Westfalen die Hochschule als erste private Universität Deutschlands an, der Studienbetrieb — inklusive des ersten Medizinjahrgangs im sogenannten „Herdecke-Modell" — startete am 01.04.1983. Seither führt der Wissenschaftsrat die Universität durchgehend als vollwertige Universität mit Promotions- und Habilitationsrecht, zuletzt bestätigt bei der Reakkreditierung am 29.01.2024 über die maximale Dauer von zehn Jahren. Anders als bei den IRO-Standorten oder der MHB Brandenburg musste hier nie zwischen dem Namen „Universität" und dem tatsächlichen Rechtsstatus unterschieden werden — mehr zu diesem Unterschied im Artikel Universität oder Hochschule.
Die Fakultät für Gesundheit ist eine von zwei Fakultäten der Universität und gliedert sich seit Mai 2020 in vier Departments: Humanmedizin, Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Pflegewissenschaft sowie Psychologie und Psychotherapie.
Studiengebühren: eine ungeklärte Diskrepanz
Die deutsche Programmseite der Universität nennt eine Gesamtstudiengebühr von 76.800 € bei 12,3 Semestern Regelstudienzeit. Die englische Finanzierungsseite nennt dagegen 73.200 € (monatliche Rate 1.220 €), ebenfalls für 12,3 Semester. Ein Stand-Datum ist auf keiner der beiden Seiten erkennbar, und die Diskrepanz war zum Redaktionsschluss im Juli 2026 nicht aufgelöst — vor einer Bewerbung lohnt sich deshalb eine direkte Nachfrage bei der Universität.
Zusätzlich zur Direktzahlung bietet die StudierendenGesellschaft Witten/Herdecke e.V. (gegründet 1995) das sogenannte ISA-Modell an: eine nachgelagerte, einkommensabhängige Zahlung von 12 % des Einkommens über zehn Jahre, fällig erst ab einem Jahreseinkommen von rund 30.000 €. Alternativ gibt es ein Kombi-Modell aus Teilzahlung und ISA.
Auswahlverfahren
Kein NC. Auf die Online-Bewerbung folgt eine Prüfung der Unterlagen (Motivationsschreiben von maximal vier Seiten, Lebenslauf), dann ein Kurzgespräch per Zoom und schließlich ein Präsenz-Auswahltag, an dessen Ende eine Team-Entscheidung steht. Voraussetzung sind das Abitur, ein sechsmonatiges Pflegepraktikum und bei nicht-deutscher Muttersprache Deutschkenntnisse auf C1-Niveau. Die Bewerbungsgebühr liegt bei 250 €, mit Erlassmöglichkeit bei finanzieller Bedürftigkeit. Bewerbungsfristen sind für das Sommersemester der 1. Juni bis 15. Juli, für das Wintersemester der 1. Dezember bis 1. Februar.
Studienplätze und Klinikkooperationen
Maximal 84 Studienplätze pro Semester, bis zu 168 im Jahr — diese Kapazität beschloss die Universität 2018 mit einer Verdopplung von zuvor 84 auf 168 Plätze jährlich ab dem Sommersemester 2019. Studienbeginn ist jeweils zum 1. Oktober und 1. April. Zu den Klinikkooperationen zählen unter anderem das Helios Universitätsklinikum Wuppertal und das Krankenhaus Köln-Merheim, das seit 2010 als Lehrkrankenhaus fungiert, ergänzt um ein umfangreicheres Praxisnetzwerk.
Abschluss und historische Krise
Die Universität führt einen Modellstudiengang Medizin mit Staatsexamen, seit 2000 staatlich als Modellstudiengang anerkannt; die Fakultät darf modelltypisch das erste der drei Staatsexamina durch interne Äquivalenzprüfungen ersetzen. Die aktuelle Akkreditierung läuft bis etwa 2034, der Wissenschaftsrat lobte die Entwicklung der Universität zuletzt als „sehr überzeugend". Historisch geriet die Hochschule 2008/2009 in eine ernste Finanzkrise, als das Land NRW eine Streichung seiner Millionenförderung ankündigte und ein Großsponsor wegfiel — eine Insolvenz wurde durch neue Unterstützer in letzter Minute abgewendet, die damalige Unileitung trat zurück. Diese Krise ist heute ausgestanden, führte aber zur heutigen breiteren Trägerstruktur und zum ISA-Finanzierungsmodell.
Physikum-Bestehensquote nicht vergleichbar
Weil Witten/Herdecke das erste Staatsexamen durch eigene, modelltypische Äquivalenzprüfungen ersetzt, nimmt die Universität nicht am zentralen, bundeseinheitlichen IMPP-Physikum teil und wird in dessen Ergebnisberichten nicht separat ausgewiesen. Eine „Physikum-Bestehensquote" im Sinne der IMPP-Statistik lässt sich für Witten/Herdecke daher nicht ermitteln — ein Vergleich mit anderen Hochschulen anhand dieser Zahlen wäre methodisch unfair, weil die gemeinsame Prüfungsgrundlage fehlt.
Was kostet das Medizinstudium an der Universität Witten/Herdecke?
Darf die Universität Witten/Herdecke in Medizin promovieren?
Gibt es an der Universität Witten/Herdecke einen NC?
Was ist das ISA-Modell an der Universität Witten/Herdecke?
Quellen
- Wissenschaftsrat — Reakkreditierung Universität Witten/Herdecke (29.01.2024)
- uni-wh.de — Modellstudiengang Medizin (Staatsexamen)
- uni-wh.de — Tuition Fees (englische Seite)
- uni-wh.de — Bewerbung Staatsexamen Medizin
Alle Angaben Stand Juli 2026, vor Bewerbung direkt bei der Hochschule prüfen.