Bei den sechs deutschen Privathochschulen mit Staatsexamen (MSH Hamburg, MSB Berlin, HMU Potsdam, HMU Erfurt, MHB Brandenburg und Universität Witten/Herdecke) ist die Approbation dieselbe wie an staatlichen Fakultäten. Der Unterschied zwischen „Universität" und „Hochschule" liegt im Recht, selbst zu promovieren und zu habilitieren. Das haben Witten/Herdecke seit 1982 und die MHB seit dem 16.10.2025; MSH, MSB, HMU Potsdam und HMU Erfurt besitzen es für Medizin nicht. Die Gebühren der sechs Häuser stehen in der Übersicht der Privathochschulen.
Approbation bei den sechs deutschen Anbietern
Alle sechs führen zum Staatsexamen und zur Approbation nach derselben Rechtsgrundlage wie an jeder staatlichen Fakultät. Die Approbationsordnung verlangt in § 1 Abs. 2 ein Studium „an einer Universität oder gleichgestellten Hochschule", § 3 Abs. 1 der Bundesärzteordnung ein Studium an einer wissenschaftlichen Hochschule. Für die Approbation genügt also die Gleichstellung — der Name „Universität" ist nicht nötig. Das Verfahren selbst beschreibt der Artikel zur Approbation.
PMU Nürnberg und UMCH Hamburg gehören nicht zu den sechs: Sie sind Standorte ausländischer Universitäten und vergeben einen österreichischen bzw. rumänischen Abschluss, der erst über EU-Recht in eine deutsche Approbation überführt wird. Einzelheiten stehen in den Profilen zu PMU Nürnberg und UMCH Hamburg.
Was der Titel „Universität" rechtlich bedeutet
Eine Universität kann akademische Grade bis zur Promotion und Habilitation selbst verleihen. Bei privaten Hochschulen liegt dieses Recht nicht automatisch vor: Das Land verleiht es nach einer Prüfung durch den Wissenschaftsrat, meist befristet. Eine „einer Universität gleichgestellte" Fakultät darf Medizin lehren und Staatsexamen abnehmen, ohne damit promovieren zu dürfen. Die Tabelle fasst den Stand der sechs Häuser zusammen.
| Standort | Status laut Anerkennung | Promotionsrecht Medizin | Befristung der Anerkennung |
|---|---|---|---|
| MSH Hamburg | Fakultät Medizin: wissenschaftliche Hochschule, einer Universität gleichgestellt | kein eigenes | unbefristet (laut MSH) |
| MSB Berlin | Fakultät Medizin: wissenschaftliche Hochschule, einer Universität gleichgestellt | kein eigenes | bis 31.10.2030 (laut MSB) |
| HMU Potsdam | als Universität im Sinne der Approbationsordnung für Ärzte anerkannt | kein eigenes | zunächst bis 30.04.2028 |
| HMU Erfurt | staatlich anerkannt durch Thüringen (23.08.2021 laut Hochschule) | kein eigenes | — |
| MHB Brandenburg | als Universität im Sinne der Approbationsordnung anerkannt (seit 2014) | seit 16.10.2025, Human- und Zahnmedizin | bis 2031 |
| Witten/Herdecke | Universität, 1982 anerkannt | seit 1982, unbefristet | unbefristet |
Stand: Oktober 2026. Quellen: Wissenschaftsrat (Drs. 2825-25, 2826-25, 2112-24, 1692-24), MWFK Brandenburg, Angaben der Hochschulen.
IRO-Standorte: einer Universität gleichgestellt
MSH Hamburg, MSB Berlin, HMU Potsdam und HMU Erfurt gehören zur IRO-Gruppe, einem Unternehmensverbund mit derselben Alleingesellschafterin; sie betreibt laut Wissenschaftsrat außerdem die BSP Business and Law School. Bei MSH und MSB sind die Fakultäten für Medizin laut Anerkennungsbescheid einer Universität gleichgestellt. Der Wissenschaftsrat sprach am 31.10.2025 für beide eine Reakkreditierung der universitären Fakultäten für fünf Jahre aus und empfahl ein Promotionsrecht für Psychologie, nicht für Medizin; Hamburg verlieh es der MSH für Psychologie am 19.12.2025, zunächst befristet auf fünf Jahre. Die HMU Potsdam ist laut Wissenschaftsministerium Brandenburg als Universität im Sinne der Approbationsordnung für Ärzte anerkannt, zunächst bis 30.04.2028.
Die vier Standorte verlangen dieselben Monatsraten — 1.500 €, im Praktischen Jahr 300 €. Wer an einem dieser Standorte den Dr. med. anstrebt, promoviert über ein kooperatives Verfahren mit einer promotionsberechtigten Hochschule; der Wissenschaftsrat beschreibt das Modell für MSH und MSB. Die Gebühren im Vergleich zeigt der Privatuni-Kostenvergleich.
MHB Brandenburg: Promotionsrecht seit 2025
Der Wissenschaftsrat besuchte die MHB am 20./21.03.2024, beschloss am 25.10.2024 ihre institutionelle Akkreditierung für fünf Jahre und empfahl ein Promotionsrecht für die Humanmedizin; für die Zahnmedizin gab er keine Empfehlung ab, weil der Studiengang erst kurz nach dem Besuch gestartet war. Das Ministerium veröffentlichte die Entscheidung am 28.10.2024. Am 16.10.2025 verlieh das Land der MHB Promotions- und Habilitationsrecht für Human- und Zahnmedizin, als erster nichtstaatlicher Hochschule in Brandenburg, verlängerte die staatliche Anerkennung bis 2031 und sagte 27,6 Millionen Euro Förderung für 2025 bis 2029 zu (Pressemitteilung Nr. 321). Die MHB heißt weiterhin „Hochschule"; laut Anerkennungsbescheid ist sie seit 2014 als Universität im Sinne der Approbationsordnung anerkannt. Gebühren, Termine und Auswahlverfahren stehen im MHB-Profil.
Witten/Herdecke: seit 1982 Universität
Die Universität Witten/Herdecke wurde 1982 als erste deutsche Universität in privater Trägerschaft gegründet. Das Land Nordrhein-Westfalen hat sie unbefristet anerkannt und ihr unbefristet Promotions- und Habilitationsrecht verliehen. Der Wissenschaftsrat reakkreditierte sie am 26.01.2024 einschließlich des Promotionsrechts für zehn Jahre (Drs. 1692-24). Einzelheiten stehen im Witten-Profil.
Was Bewerber daraus ableiten
Für Ausbildung, Staatsexamen und Approbation macht der Unterschied keinen Unterschied — er wirkt sich erst nach dem Studium aus. Wer eine Professur anstrebt, braucht nach § 44 Abs. 1 Hochschulrahmengesetz neben der Promotion je nach Stelle zusätzliche wissenschaftliche Leistungen; das Gesetz knüpft das nicht an das Promotionsrecht der Hochschule, an der man studiert hat. Drei Fragen helfen bei der Wahl:
| Frage | Witten/Herdecke und MHB | MSH, MSB, HMU Potsdam, HMU Erfurt |
|---|---|---|
| Will ich promovieren? | Promotion an der eigenen Hochschule möglich; Ablauf siehe Promotion | kooperatives Verfahren mit einer promotionsberechtigten Hochschule, Partner vorab erfragen |
| Will ich habilitieren oder in der Forschung bleiben? | Habilitationsrecht vorhanden | kein eigenes Habilitationsrecht in Medizin |
| Will ich später an eine staatliche Uni wechseln? | Interne Äquivalenzprüfungen ersetzen den Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (Modellstudiengänge); ein Wechsel hängt an freien Plätzen der Zielhochschule | Die Ärztlichen Prüfungen liegen beim Landesprüfungsamt; ein Wechsel hängt an freien Plätzen der Zielhochschule (Quereinstieg) |
Die Kosten der Standorte im Vergleich: Privatuni-Kostenvergleich.
Ist eine „Universität" automatisch besser als eine „Hochschule"?
Wie promoviert man an einer Privathochschule ohne eigenes Promotionsrecht?
Was bedeutet „einer Universität gleichgestellt"?
Hat der Wissenschaftsrat der MHB Brandenburg das Habilitationsrecht empfohlen?
Quellen
- § 1 Approbationsordnung für Ärzte: Ziele und Gliederung der ärztlichen Ausbildung
- § 3 Bundesärzteordnung: Voraussetzungen der Approbation
- § 44 Hochschulrahmengesetz: Einstellungsvoraussetzungen für Professoren
- Wissenschaftsrat: Reakkreditierung MSH Hamburg, Drs. 2825-25 (31.10.2025)
- Wissenschaftsrat: Reakkreditierung MSB Berlin, Drs. 2826-25 (31.10.2025)
- Wissenschaftsrat: Institutionelle Akkreditierung (Promotionsrecht) der MHB, Drs. 2112-24 (25.10.2024)
- Wissenschaftsrat: Reakkreditierung (Promotionsrecht) der Universität Witten/Herdecke, Drs. 1692-24 (26.01.2024)
- MWFK Brandenburg: Anerkennung der HMU Potsdam, befristet bis 30.04.2028
- MWFK Brandenburg: Pressemitteilung Nr. 321, Promotions- und Habilitationsrecht der MHB (16.10.2025)
- MWFK Brandenburg: Pressemitteilung zur Akkreditierung der MHB (28.10.2024)
- MSH Medical School Hamburg: staatliche Anerkennung und Akkreditierung
- MSB Medical School Berlin: staatliche Anerkennung und Akkreditierung
- HMU Erfurt: staatliche Anerkennung und Akkreditierung
- Wissenschaftsrat: Pressemitteilung zur Reakkreditierung der Universität Witten/Herdecke (29.01.2024)
Stand: Oktober 2026. Anerkennungsdaten laut Landesbehörden und Hochschulen, Empfehlungen laut Wissenschaftsrat.