Das Wichtigste in Kürze

  • Die Studienplätze in Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie gehen zu 30 % an die Abiturbestenquote, zu 10 % an die Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ) und zu 60 % an das Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH).
  • Eine einzige Bewerbung nimmt automatisch an allen drei Quoten teil. Eine gesonderte Anmeldung ist nicht nötig.
  • Vorab können bis zu 20 % der Plätze eines Studienangebots in Vorabquoten fließen. Die Aufteilung 30/10/60 gilt für den Rest.
  • Welche Quote Dir am meisten bringt, hängt von Abitur, Test und Vorerfahrung ab; drei Profile zeigen die Unterschiede.

1. Die Abiturbestenquote (30 %)

Über die Abiturbestenquote werden 30 % der Studienplätze allein nach der erzielten Punktzahl der Hochschulzugangsberechtigung vergeben. Damit Bewerber aus unterschiedlichen Bundesländern fair verglichen werden können, entstehen zunächst 16 Landeslisten, die anschließend zu einer Bundesliste zusammengeführt werden. Bei Punktgleichheit entscheiden ein abgeleisteter Dienst und zuletzt das Los (Losverfahren). Die Mechanik erklärt der Artikel zur Abiturbestenquote.

2. Die Zusätzliche Eignungsquote (10 %)

In der ZEQ zählt die Abiturnote nicht (Ausnahme: Pharmazie). Stattdessen vergeben die Hochschulen bis zu 100 Punkte für notenunabhängige Kriterien wie Studieneignungstests, Berufsausbildungen, Dienste oder Preise. Eine Testpflicht gibt es hier nicht: Der Kriterienkatalog ist für alle Hochschulen gleich, jede Hochschule wählt daraus die Kriterien und deren Gewichtung. Welche Kriterien anerkannt werden, steht im Artikel zur Zusätzlichen Eignungsquote.

3. Das Auswahlverfahren der Hochschulen (60 %)

Die mit Abstand größte Quote kombiniert notenabhängige und notenunabhängige Kriterien nach einem von jeder Hochschule selbst festgelegten Punktesystem. Für Humanmedizin sind mindestens zwei notenunabhängige Kriterien vorgeschrieben, für Zahn- und Tiermedizin mindestens eines. Ein fachspezifischer Studieneignungstest muss stets berücksichtigt werden. Der TMS wird voraussichtlich ab 2027 nicht mehr angeboten — für das Wintersemester 2027/28 entscheiden die Hochschulen, ob und wie sie den TMSnat werten und wie lange ein TMS-Ergebnis in der Übergangsphase gilt. Details und Beispiele im Artikel zum Auswahlverfahren der Hochschulen.

Vorabquoten: Was vor den Hauptquoten kommt

Die drei Hauptquoten ergeben zusammen 100 %, beziehen sich aber nur auf den Rest der Studienplätze. Vorab können bis zu 20 % der Plätze eines Studienangebots reserviert werden (Art. 9 Staatsvertrag über die Hochschulzulassung). Die Länder legen die Anteile der einzelnen Vorabquoten fest. Die Tabelle nennt die Werte, die der Leitfaden bundesweit angibt (Zweitstudium, Härtefall), und sonst die Prozentsätze der Vergabeverordnung Nordrhein-Westfalens (Fassung vom 8. September 2026), jeweils für Humanmedizin.

VorabquoteAnteilWerMehr dazu
Landarztquoteje Land; in NRW 8,8 %Bewerber, die sich verpflichten, später als Landarzt in einer unterversorgten Region zu arbeitenLandarztquote
ÖGD-Quoteje LandBewerber, die sich zu einer Tätigkeit im Öffentlichen Gesundheitsdienst verpflichtenÖGD-Quote
Bundeswehrin NRW 2,2 %Von der Bundeswehr benannte Bewerber für den SanitätsoffiziersdienstBundeswehr
Zweitstudiumhöchstens 3 %Bewerber mit abgeschlossenem Studium an einer deutschen HochschuleZweitstudium
Härtefallbis zu 1 %Bewerber, für die eine Ablehnung eine außergewöhnliche Härte bedeuten würdeHärtefallantrag
Ausländische Bewerberin NRW 5 %Ausländische Staatsangehörige und Staatenlose, die Deutschen nicht gleichgestellt sindAusländisches Abitur

Härtefälle gehören zu den Vorabquoten: Ein geringer Teil der Studienplätze ist für sie reserviert. Wer als Härtefall anerkannt ist, nimmt zunächst wie alle anderen Bewerber an Abiturbestenquote, ZEQ und AdH teil; erreicht er dort die Auswahlgrenzen nicht, kann die Anerkennung gegen Ende der Koordinierungsphase zu einem Zulassungsangebot führen. Wer unter die Landarzt-, ÖGD-, Bundeswehr-, Zweitstudien- oder Ausländerquote fällt, wird dagegen nicht in den Hauptquoten zugelassen (Art. 9 Abs. 6 Staatsvertrag). Wer Vorabquoten und weitere Sonderwege gegeneinander abwägen will, findet den Sonderwege-Vergleich.

Bei „ausländischen Bewerbern“ zählt die Staatsangehörigkeit; wo das Abitur entstand, spielt dafür keine Rolle. Bildungsinländer sowie Staatsangehörige der EU und des EWR sind Deutschen gleichgestellt und bewerben sich wie sie über hochschulstart. Alle anderen wenden sich direkt an die Hochschule. Wer das Zeugnis erst über die Feststellungsprüfung am Studienkolleg erwirbt, bewirbt sich danach nach diesen Regeln; die Gruppe hängt von Staatsangehörigkeit und Zeugnis ab.

Rechenbeispiel: 200 Studienplätze

Ein Studienangebot hat in dieser Modellrechnung 200 Plätze, und die Vorabquoten schöpfen die 20 % vollständig aus. Die Hauptquoten teilen danach nur noch 160 Plätze auf. In NRW kommt die Humanmedizin auf genau diese 20 % (1 + 2,2 + 8,8 + 5 + 3 %).

QuoteRechnungPlätze
Vorabquoten20 % von 20040
Abiturbestenquote30 % von 16048
ZEQ10 % von 16016
AdH60 % von 16096

Was für alle drei Quoten gilt

Du kannst Dich gleichzeitig auf Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin (nur zum Wintersemester) und Pharmazie bewerben und beliebig viele Studienorte nennen. Wer in mehreren Quoten zu berücksichtigen ist, steht auf allen entsprechenden Ranglisten. Die ersten Zulassungsangebote ergehen in Nordrhein-Westfalen nach § 9 der Vergabeverordnung in dieser Reihenfolge:

  1. Quote für den öffentlichen Bedarf (Landarzt, ÖGD, Bundeswehr)
  2. Zweitstudium
  3. Abiturbestenquote
  4. Zusätzliche Eignungsquote, in der Regel mindestens 14 Tage nach den ersten Angeboten der Abiturbestenquote
  5. Auswahlverfahren der Hochschulen
  6. Härtefälle, zum Sommersemester ab dem 19. Februar

Danach gelten die Koordinierungsregeln; welches Angebot Du am Ende erhältst, steuert Deine Priorisierung. Den Ablauf beschreibt der Artikel zur Bewerbung über hochschulstart. Wartezeit zählt in keiner dieser Quoten mehr (siehe Wartesemester).

Welche Quote passt zu Deinem Profil?

ProfilWichtigste QuoteHebel
Sehr gutes AbiturAbiturbestenquote (30 %)Punktwert der Hochschulzugangsberechtigung im Vergleich mit den Bewerbern Deines Bundeslands
Gutes Testergebnis, Ausbildung oder Dienst bei durchschnittlichem AbiturZEQ (10 %)Test, Ausbildung, Dienst und Preise nach dem Kriterienkatalog der Hochschule
Mischung aus Note und notenunabhängigen KriterienAdH (60 %)Viele Studienorte nennen, da jede Hochschule eigene Gewichte setzt

Für welche Quote Du Dich bewirbst, musst Du nicht festlegen; Du kannst aber gezielt an den Kriterien arbeiten, die bei Deinem Profil den Ausschlag geben. Der Chancen-Rechner modelliert alle drei Quoten.

Muss ich mich für eine der drei Quoten entscheiden?
Nein. Jede Bewerbung nimmt automatisch an allen drei Hauptquoten teil. Für jedes Studienangebot gibt es je Quote eine eigene Rangliste; ein Zulassungsangebot entsteht in der Quote, in der Du die Auswahlgrenze erreichst.
Was passiert mit Plätzen, die in einer Quote unbesetzt bleiben?
Plätze, die in einer Vorabquote nicht vergeben werden, gehen nach Art. 9 Abs. 2 Staatsvertrag an die Hauptquoten. Bleiben Plätze in einer Hauptquote übrig, werden sie nach der Vergabeverordnung Nordrhein-Westfalens (§ 8 Abs. 2) anteilig auf die übrigen Hauptquoten verteilt.
Warum ergeben 30 %, 10 % und 60 % zusammen nicht alle Studienplätze?
Die drei Quoten verteilen nur den Rest. Vorab sind bis zu 20 % der Plätze eines Studienangebots für die Vorabquoten reserviert: Landarzt- und ÖGD-Quote, Bundeswehr, Zweitstudium, ausländische Bewerber und Härtefälle.
Zählt ein im Ausland erworbenes Abitur als „ausländischer Bewerber“?
Nein, für die Vorabquote zählt die Staatsangehörigkeit. Bildungsinländer, EU- und EWR-Staatsangehörige sind Deutschen gleichgestellt und bewerben sich über hochschulstart. Mit ausländischem Zeugnis werden sie in der Abiturbestenquote einer Landesquote zugelost.
Zählt die Wartezeit noch in einer der drei Quoten?
Nein, seit dem Sommersemester 2022 nicht mehr, auch nicht in Pharmazie. Was stattdessen zählt, steht im Artikel zu den Wartesemestern.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Leitfaden und Kriterienkataloge gelten für die Bewerbung zum Sommersemester 2027; die Prozentsätze der Landarzt-, Bundeswehr- und Ausländerquote stammen aus der Verordnung Nordrhein-Westfalens und können in anderen Ländern abweichen.