Das Medizinstudium dauert regulär sechs Jahre und drei Monate: zwei Jahre bis zum Physikum, drei weitere bis zum Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung und ein Praktisches Jahr. Grundlage ist § 1 der Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO): sechs Jahre Studium mit 5.500 Stunden, dazu drei Monate Prüfungszeit für den Dritten Abschnitt.

Studienverlauf im Überblick

AbschnittSemesterInhaltePrüfung
Vorklinik1 bis 4Praktika in Physik, Chemie, Biologie, Physiologie und Biochemie/Molekularbiologie; Kurse in makroskopischer und mikroskopischer Anatomie; Medizinische Psychologie und Soziologie; Einführung in die Klinische Medizin, Berufsfelderkundung, medizinische Terminologie; ein WahlfachErster Abschnitt (M1, Physikum) nach Semester 4
Klinik5 bis 10Leistungsnachweise in 22 Fächern (darunter Innere Medizin, Chirurgie, Kinderheilkunde, Allgemeinmedizin) und 14 Querschnittsbereichen, fünf Blockpraktika, Famulatur in den unterrichtsfreien Zeiten, zweites WahlfachZweiter Abschnitt (M2) nach Semester 10
Praktisches Jahr11 und 1248 Wochen in drei Tertialen zu je 16 Wochen im KrankenhausDritter Abschnitt (M3) nach dem PJ, danach Antrag auf Approbation

Die Semesterangaben sind die übliche Umrechnung der Fristen aus § 1 Abs. 3 ÄApprO; „Vorklinik“ und „Klinik“ kommen im Gesetzestext nicht vor. Die Fächer der Vorklinik stehen in Anlage 1 der ÄApprO, die der Klinik in § 27. Details zu Format und Bestehensquoten des Physikums stehen im Artikel zum Physikum, zu M2, M3 und Antrag im Artikel zur Approbation.

Die drei Prüfungsabschnitte im Medizinstudium

Die ÄApprO gliedert das Studium in drei Ärztliche Prüfungsabschnitte, die aufeinander aufbauen. Der Erste Abschnitt folgt nach einem Studium von zwei Jahren. Der Zweite Abschnitt folgt drei Jahre nach dem bestandenen Physikum, der Dritte nach einem weiteren Jahr, dem Praktischen Jahr. Im Modellstudiengang entfällt nur das Physikum; der Zweite Abschnitt folgt auch dort frühestens nach fünf Jahren Medizinstudium. Fällt ein Teil des Ersten Abschnitts durch, regelt der Artikel Physikum wiederholen die zwei Wiederholungen.

Zulassung zum Physikum: Nachweise und Fristen

Für die Meldung zum Physikum verlangt § 10 ÄApprO folgende Unterlagen. Melden kannst Du Dich frühestens im vierten Semester; der Antrag muss bis zum 10. Januar oder bis zum 10. Juni bei der zuständigen Stelle des Landes (dem Landesprüfungsamt) eingegangen sein.

  1. Geburtsurkunde, bei Verheirateten auch die Eheurkunde, und Nachweis der Hochschulzugangsberechtigung
  2. Studienbuch oder die an der Universität an dessen Stelle tretenden Unterlagen
  3. Bescheinigungen über die erfolgreiche Teilnahme an den vorgeschriebenen Unterrichtsveranstaltungen (Anlage 2a: 15 Veranstaltungen und das Wahlfach)
  4. Nachweis über eine Ausbildung in Erster Hilfe (§ 5)
  5. Nachweis über den dreimonatigen Krankenpflegedienst (§ 6)

Nach der Änderungsverordnung soll bei den Meldungen zu allen drei Abschnitten ein Identitätsnachweis an die Stelle von Geburts- und Eheurkunde treten (Entwurf: 1. November 2026). Der Bundesrat hat ihr am 16. Oktober 2026 mit Maßgaben zugestimmt; in Kraft ist sie erst nach der Verkündung im Bundesgesetzblatt. Der Krankenpflegedienst findet in einem Krankenhaus oder einer Rehabilitationseinrichtung mit vergleichbarem Pflegeaufwand statt, vor Studienbeginn oder in den unterrichtsfreien Zeiten, und lässt sich in drei Monatsabschnitten ableisten. Angerechnet werden unter anderem krankenpflegerische Tätigkeit im Sanitätsdienst der Bundeswehr, im FSJ oder im Bundesfreiwilligendienst, eine abgeschlossene Pflege- oder Rettungsdienstausbildung und ein im Ausland geleisteter Dienst. Die Erste-Hilfe-Ausbildung weisen Organisationen wie ASB, DRK, Johanniter und Malteser per Bescheinigung nach. Die Bewerbung um den Studienplatz erklärt der Artikel zu hochschulstart, die Kosten des Studiums der Artikel zu Semesterbeitrag, BAföG und KfW. Was das Studium am jeweiligen Ort im Monat kostet, steht in den Lebenshaltungskosten nach Studienort.

Famulatur: vier Monate zwischen M1 und M2

Die Famulatur liegt in den unterrichtsfreien Zeiten zwischen Physikum und Zweitem Abschnitt und wird bei der Meldung zum M2 nachgewiesen. Sie dauert vier Monate unter Leitung eines approbierten Arztes, aufgeteilt in vier Bausteine zu je einem Monat:

  • ambulante Krankenversorgung oder ärztliche Praxis
  • Krankenhaus oder stationäre Rehabilitationseinrichtung
  • hausärztliche Versorgung (Pflicht)
  • eine weitere geeignete Einrichtung, auch im öffentlichen Gesundheitswesen

Eine im Ausland abgeleistete Famulatur in der ambulanten Versorgung oder im Krankenhaus kann angerechnet werden (§ 7 Abs. 4 ÄApprO). Aufteilung, Landesregeln, Bescheinigung und Förderung stehen im Artikel Famulatur im Medizinstudium.

Unterrichtsformen und Wahlfächer

Neben Vorlesungen schreibt § 2 ÄApprO praktische Übungen und Seminare vor, mit festen Obergrenzen: höchstens 20 Studierende je Seminar, sechs bei Patientendemonstrationen und drei bei der Untersuchung eines Patienten. Der Unterricht am Krankenbett umfasst 476 Stunden. Je ein Wahlfach ist bis zum Ersten und bis zum Zweiten Abschnitt zu absolvieren; die Note geht in das Zeugnis ein, nicht in die Gesamtnote.

Das sechste Jahr: das Praktische Jahr

Das letzte Studienjahr ist das Praktische Jahr: 48 Wochen in drei Tertialen zu je 16 Wochen, nach dem Zweiten Abschnitt und vor dem Dritten. Das PJ dauert 48 Wochen (§ 3 ÄApprO); die BÄO verlangt als Rahmen acht bis zwölf Monate praktische Ausbildung. Fehltage, Vergütung und der Stand der Reform stehen im Artikel zum Praktischen Jahr. Wer die Hochschule wechseln will, findet den Weg unter Quereinstieg, die Hochschulen selbst unter Universitäten.

Wie lange dauert das Medizinstudium in Deutschland genau?
Die Approbationsordnung nennt zwei Zahlen, die häufig durcheinandergeraten: Die reine Studiendauer beträgt sechs Jahre (5.500 Stunden), die Regelstudienzeit inklusive der Prüfungszeit für den Dritten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung sechs Jahre und drei Monate.
Was bedeutet „Vorklinik" und „Klinik" rechtlich?
Rechtlich nichts: Die ÄApprO kennt diese Begriffe nicht. Sie definiert zwei Jahre bis zum Physikum (M1) und drei weitere Jahre bis zum Zweiten Abschnitt (M2). Umgangssprachlich werden daraus vier Semester Vorklinik und sechs Semester Klinik.
Wann muss ich den Krankenpflegedienst nachweisen?
Der dreimonatige Krankenpflegedienst muss vor der Meldung zum Physikum abgeleistet sein, häufig schon vor Studienbeginn. Er lässt sich in bis zu drei Monatsabschnitten absolvieren; ein im Ausland geleisteter Dienst kann angerechnet werden.
Ab wann kann ich mich zum Physikum anmelden?
Frühestens im letzten Studienhalbjahr der Studienzeit, die für das Physikum vorgeschrieben ist, also im vierten Semester (§ 10 Abs. 2 ÄApprO). Der Antrag muss dem Landesprüfungsamt bis zum 10. Januar oder bis zum 10. Juni vorliegen.
Zählt ein Freiwilliges Soziales Jahr als Krankenpflegedienst?
Ja, wenn die Tätigkeit krankenpflegerisch war. Nach § 6 ÄApprO sind anrechenbar: krankenpflegerische Tätigkeit im Sanitätsdienst der Bundeswehr, im FSJ, im Bundesfreiwilligendienst oder im Zivildienst sowie eine abgeschlossene Ausbildung, etwa in der Krankenpflege, als Notfallsanitäter oder in der Altenpflege.
Muss die Famulatur an vier verschiedenen Orten stattfinden?
Sie muss in vier Monatsbausteine mit unterschiedlichem inhaltlichem Schwerpunkt gegliedert sein: ambulante Praxis, Krankenhaus, ein Pflichtmonat hausärztliche Versorgung und eine weitere geeignete Einrichtung. Ob das an einem oder mehreren Orten passiert, schreibt das Gesetz nicht vor.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Die ÄApprO gilt in der Fassung der letzten Änderung vom 7.6.2023 (BGBl. 2023 I Nr. 148). Eine Verordnung zur Änderung der Fehltage- und Vergütungsregeln im Praktischen Jahr hat der Bundesrat am 16. Oktober 2026 mit Maßgaben gebilligt und ist noch nicht in Kraft; Einzelheiten stehen im Artikel zum Praktischen Jahr.