Das Praktische Jahr Medizin dauert 48 Wochen und gliedert sich in drei Tertiale zu je 16 Wochen: Innere Medizin, Chirurgie und ein frei wählbares klinisch-praktisches Fachgebiet. Es bildet das letzte Studienjahr und folgt auf den bestandenen Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung; danach steht der Dritte Abschnitt an. Das PJ dauert 48 Wochen (§ 3 ÄApprO); die BÄO verlangt als Rahmen acht bis zwölf Monate praktische Ausbildung. Die Famulatur davor regelt § 7 ÄApprO, Einzelheiten stehen im Artikel Famulatur.

Die drei Tertiale: Innere, Chirurgie, Wahlfach

Pflicht sind Innere Medizin und Chirurgie; das dritte Tertial ist ein Wahltertial in „Allgemeinmedizin oder einem der übrigen klinisch-praktischen Fachgebiete“. Eine bundesweite Positivliste gibt es nicht, die Fachgebiete legt jede Universität mit ihren Lehrkrankenhäusern fest. Begonnen wird in der zweiten Maihälfte oder der zweiten Novemberhälfte. Teilzeit mit 50 oder 75 Prozent der wöchentlichen Ausbildungszeit ist möglich, das PJ verlängert sich dann entsprechend. Die Ausbildung soll in der Regel ganztägig an allen Wochenarbeitstagen im Krankenhaus stattfinden (§ 3 Abs. 4); wie die Prüfung danach abläuft, steht im Artikel zur Approbation.

Bewerbung und Zuteilung

Die Zuteilung organisiert jede Universität selbst. Viele Fakultäten vergeben die Plätze über das PJ-Portal (pj-portal.de) in einer lokalen und einer nationalen Buchungsphase. In der Verteilungsordnung der Universität Tübingen (Stand Juni 2025) buchen Studierende zuerst Plätze an der eigenen Fakultät, danach an anderen teilnehmenden Universitäten, dort höchstens zwei Tertiale auswärts. Den Zeitpunkt der Buchung lost das Portal zu; Umbuchungen sind bis fünf Wochen vor Tertialbeginn möglich, ein Tausch außerhalb des Verfahrens ist nicht zulässig.

Das Gesetz erlaubt, die Tertiale am Universitätsklinikum der Heimatuniversität, an deren Lehrkrankenhäusern oder an anderen Universitätskliniken und Lehrkrankenhäusern zu absolvieren, sofern dort Plätze frei sind (§ 3 Abs. 2 ÄApprO). Wer für das ganze PJ die Hochschule wechselt, bewirbt sich bei der aufnehmenden Fakultät; Freiburg nennt für den Start im November 2026 den Zeitraum 14.8. bis 14.9.2026 und für den Start im Mai 2027 den Zeitraum 16.2. bis 16.3.2027. Allgemein zum Wechsel im Studium: Quereinstieg ins höhere Fachsemester.

PJ am Lehrkrankenhaus statt an der Uniklinik

Ein PJ außerhalb der Universitätsklinik ist zulässig, wenn die Universität mit dem Krankenhaus eine Vereinbarung geschlossen hat und es die Anforderungen aus § 4 ÄApprO erfüllt:

  • ausreichend Ärzte in der Abteilung für Versorgung und Ausbildung
  • regelmäßige pathologisch-anatomische Demonstrationen durch einen Facharzt für Pathologie und klinische Konferenzen
  • in Innerer Medizin und Chirurgie nur Abteilungen oder Einheiten mit mindestens 60 Behandlungsplätzen mit unterrichtsgeeigneten Patienten
  • konsiliarische Betreuung durch Fachärzte, die nicht in der Abteilung vertreten sind (Augenheilkunde, HNO, Neurologie, Radiologie)
  • leistungsfähige Röntgenabteilung, medizinisches Labor, Bibliothek, Sektionsraum und Räume für die Studierenden
  • Ausbildung nach dem Logbuch der Universität und ein benannter PJ-Beauftragter im Haus

Lehrpraxen und andere ambulante Einrichtungen dürfen in der Regel höchstens acht Wochen je Ausbildungsabschnitt übernehmen; im Wahlfach Allgemeinmedizin findet der gesamte Abschnitt in einer allgemeinmedizinischen Lehrpraxis statt (§ 3 Abs. 2a).

Fehltage: 30 im gesamten PJ

Nach geltendem Recht werden Fehlzeiten bis zu insgesamt 30 Ausbildungstagen angerechnet, davon bis zu 20 innerhalb eines Ausbildungsabschnitts. Urlaub und Krankheit zählen auf dasselbe Kontingent. Bei besonderer Härte kann die zuständige Stelle auf Antrag weitere Tage anrechnen, wenn das Ausbildungsziel nicht gefährdet ist (§ 3 Abs. 3). Im PJ-Barometer 2025 des Marburger Bundes bemängeln Befragte, dass Krankheitstage den Urlaub verkürzen.

PJ-Vergütung: die Obergrenze im geltenden Recht

Einen Rechtsanspruch auf eine PJ-Aufwandsentschädigung gibt es nicht. Die ÄApprO regelt nur eine Obergrenze: Geld- oder Sachleistungen dürfen den Bedarf nach § 13 Abs. 1 Nr. 2 und Abs. 2 Nr. 2 BAföG nicht übersteigen (§ 3 Abs. 4). Das sind 475 € Grundbedarf plus 380 € für die Unterkunft, zusammen 855 € im Monat. Die Höhe legt das jeweilige Krankenhaus fest; die BAföG-Sätze für das Studium nennt der Artikel Kosten des Medizinstudiums.

Was PJ-Studierende bekommen

Eine amtliche Gesamtstatistik zur Höhe fehlt. Das PJ-Barometer 2025 des Marburger Bundes (Befragung im November und Dezember 2025, rund 1.800 Teilnehmer) hält fest: Der Anteil ohne jede Aufwandsentschädigung sinkt zwar, die Vergütung liegt bei der Mehrheit aber deutlich unter existenzsichernden Schwellen, und viele sind auf familiäre Unterstützung angewiesen. Im ersten Tertial verbringen 55 Prozent der Befragten 40 bis 50 Stunden pro Woche in der Lehreinrichtung; knapp 42 Prozent leisteten Nacht- oder Wochenenddienste, 79 Prozent davon ohne zusätzliche Vergütung. Vor der Bewerbung lohnt der Blick auf die Seiten der Kliniken, und zum Gehalt danach auf den Artikel zum Assistenzarzt-Gehalt.

Änderungsverordnung 2026: Stand und Inhalt

Stand Oktober 2026 gilt noch das bisherige Recht. Das Bundesgesundheitsministerium hat dem Bundesrat die „Verordnung zur Beschleunigung der Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen in Heilberufen“ vorgelegt (Drucksache 504/26 vom 3. September 2026). Artikel 1 ändert die ÄApprO, unter anderem die PJ-Regeln in § 3. Der Bundesrat hat der Verordnung am 16. Oktober 2026 (TOP 41 der 1069. Sitzung) mit Maßgaben zugestimmt. In Kraft tritt sie erst, wenn die Bundesregierung die Maßgaben übernommen hat und die Verordnung im Bundesgesetzblatt verkündet ist; der Entwurf sah den 1. November 2026 vor, ein neuer Termin steht noch nicht fest.

Zu den Maßgaben gehört für das PJ eine Ergänzung der Bescheinigung (Anlage 4 ÄApprO): Sie soll ein eigenes Feld für Krankheitstage oder einen anderen wichtigen Grund bekommen, die Studierende gegenüber dem Landesprüfungsamt per Attest nachweisen oder glaubhaft machen. In einer Entschließung bittet der Bundesrat die Bundesregierung außerdem zu prüfen, ob in einem weiteren Verordnungsverfahren eine bundesweit einheitliche PJ-Vergütung eingeführt werden kann, und zwar in Höhe des BAföG-Bedarfs nach § 13 Abs. 1 Nr. 2 und Abs. 2 Nr. 2 BAföG, mit einem Ausgleichsmechanismus für die Krankenhäuser. Das ist ein Prüfauftrag, noch keine Regelung.

RegelungGeltendes Recht (§ 3 ÄApprO, Fassung 2023)Entwurf (Drucksache 504/26)
Fehltage30 Ausbildungstage insgesamt, höchstens 20 je Abschnitt; weitere Tage nur auf Antrag bei besonderer HärteZusätzlich bis zu zehn Tage bei ärztlichem Attest oder einem anderen glaubhaft gemachten wichtigen Grund, je Abschnitt dann bis zu 30; die Härtefallregel entfällt
VergütungGeld- und Sachleistungen höchstens in Höhe des BAföG-Bedarfs (855 € im Monat)Obergrenze entfällt, das Krankenhaus legt die Höhe frei fest
Teilzeit50 oder 75 Prozent der wöchentlichen Ausbildungszeitkeine Änderung vorgesehen
Statusin KraftBundesrat hat am 16.10.2026 mit Maßgaben zugestimmt; Verkündung im Bundesgesetzblatt und Inkrafttreten stehen noch aus (Entwurf: 1.11.2026)

Die Begründung nennt als Ziel eine einheitliche, von allen nutzbare Fehltageregelung und eine freiere Vergütung vor allem im ländlichen Raum. Bis zur Verkündung gelten die Regeln aus den Abschnitten oben; an Modellstudiengängen kann das PJ nach § 41 ÄApprO anders aufgebaut sein (Modellstudiengänge), der Ablauf des gesamten Studiums steht im Artikel Medizinstudium Ablauf.

Wie lange dauert das Praktische Jahr Medizin genau?
48 Wochen, aufgeteilt in drei Tertiale zu je 16 Wochen: Innere Medizin, Chirurgie und ein Wahltertial (§ 3 ÄApprO). Das PJ beginnt jeweils in der zweiten Hälfte von Mai oder November und folgt auf den bestandenen Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung.
Was darf ich als Wahltertial im PJ wählen?
Das Gesetz nennt „Allgemeinmedizin oder einem der übrigen klinisch-praktischen Fachgebiete“ und gibt keine Liste vor. Welche Fächer an welchem Haus zur Wahl stehen, legt die Universität mit ihren Lehrkrankenhäusern fest.
Kann ich das PJ an einer anderen Universität machen?
Ja. Du kannst die Tertiale am Universitätsklinikum Deiner Heimatuniversität, an deren Lehrkrankenhäusern oder an anderen Universitätskliniken und Lehrkrankenhäusern absolvieren, soweit dort Plätze frei sind (§ 3 Abs. 2 ÄApprO). Externe Bewerber melden sich nach den Fristen der aufnehmenden Fakultät.
Wie viele Fehltage sind im PJ erlaubt?
Nach geltendem Recht höchstens 30 Ausbildungstage im gesamten PJ, davon höchstens 20 in einem Tertial. Urlaub und Krankheit zählen auf dasselbe Kontingent. Bei besonderer Härte kann die zuständige Stelle auf Antrag weitere Tage anrechnen.
Gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf PJ-Vergütung?
Nein. Die ÄApprO regelt nur eine Obergrenze: Geld- und Sachleistungen dürfen den Bedarf nach § 13 Abs. 1 Nr. 2 und Abs. 2 Nr. 2 BAföG nicht übersteigen (475 € plus 380 € Wohnkosten). Wie viel ein Krankenhaus zahlt, entscheidet das Haus.
Ist die PJ-Reform 2026 schon in Kraft?
Noch nicht. Der Bundesrat hat der Änderungsverordnung am 16. Oktober 2026 mit Maßgaben zugestimmt; in Kraft tritt sie erst, wenn die Bundesregierung die Maßgaben übernommen hat und die Verordnung im Bundesgesetzblatt verkündet ist. Der Entwurf sah den 1. November 2026 vor. Sie sieht bis zu zehn zusätzliche Fehltage bei ärztlichem Attest vor und hebt die Vergütungsobergrenze auf.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Bis zur Verkündung der Änderungsverordnung gilt § 3 ÄApprO in der Fassung vom 7.6.2023.