Ein Modellstudiengang Medizin ersetzt das staatliche Physikum durch gleichwertige Prüfungen der Fakultät; so erlaubt es § 41 ÄApprO. Der Zweite Abschnitt der Ärztlichen Prüfung folgt wie im Regelweg frühestens nach fünf Jahren Medizinstudium, der Dritte nach dem Praktischen Jahr. Dreizehn Hochschulen führt die Tabelle unten auf; in Köln gibt es den Regelstudiengang nicht mehr.

Rechtsgrundlage: § 41 ÄApprO

Die nach Landesrecht zuständige Stelle kann einen Modellstudiengang zulassen, der in vier Punkten von der Regelausbildung abweicht. Der Erste Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (das Physikum) muss nicht abgelegt werden; der Zweite Abschnitt kann dann frühestens nach fünf Jahren Medizinstudium folgen. Krankenpflegedienst, Erste Hilfe und Famulatur dürfen zu anderen Zeitpunkten liegen als im Regelstudiengang. Das Praktische Jahr muss nicht in der Regelform ablaufen. Außerdem darf die Universität in jedem Ausbildungsabschnitt Krankenhäuser, Praxen und andere ambulante Einrichtungen einbeziehen.

Zugelassen wird ein Modellstudiengang nur, wenn die Fakultät das Reformziel beschreibt, eine eigene Studienordnung erlässt und die im Physikum geforderten Kenntnisse gleichwertig prüft. Hinzu kommen eine Evaluation, eine begrenzte Laufzeit, die nur nach Evaluationsergebnissen verlängert wird, ein freiwilliger und gleichberechtigter Zugang und eine Regelung für den Übergang in den Regelstudiengang (§ 41 Abs. 2). Statt einer Gesamtnote erhalten die Absolventen ein Zeugnis, das die Note des Dritten Abschnitts und die Ergebnisse der physikumsgleichen Prüfungen getrennt ausweist (§ 41 Abs. 3).

Die wichtigsten Unterschiede zum Regelstudiengang

Im Alltag fallen drei Unterschiede auf. Das Physikum des IMPP entfällt; an seine Stelle treten Modul- oder Äquivalenzprüfungen der eigenen Fakultät, etwa in Augsburg als Äquivalenzbescheinigung aus den Modulprüfungen oder in Düsseldorf als Ärztliche Zwischenprüfung nach dem dritten Studienjahr. Die Lehre ist von Beginn an integriert: Organsysteme und Krankheitsbilder werden fächerübergreifend unterrichtet, in Hannover in fünf Quintilen von je sieben Wochen statt in Semestern. Praktika und PJ richten sich nach der Studienordnung des Standorts; in Dresden besteht das PJ aus vier Ausbildungsabschnitten.

Die Gesamtdauer bleibt gleich: Düsseldorf nennt eine Regelstudienzeit von 12,5 Semestern, das sind sechs Jahre und drei Monate wie im Regelweg. Das Gegenstück zur Äquivalenzprüfung beschreibt der Artikel zum Physikum, die Besonderheiten im letzten Studienjahr der Artikel zum Praktischen Jahr. Im Regelstudiengang gelten für das staatliche Physikum zwei Wiederholungen je Teil (Physikum wiederholen).

Modellstudiengang und Regelstudiengang im Vergleich

MerkmalRegelstudiengangModellstudiengang (§ 41 ÄApprO)
Erster AbschnittBundesweit einheitliches Physikum nach zwei Jahren (schriftlich und mündlich-praktisch)Entfällt; gleichwertige Prüfungen der Fakultät. Zeitpunkt je Standort, etwa nach zwei Jahren in Dresden, nach drei Jahren in Düsseldorf
Zweiter AbschnittDrei Jahre nach dem Ersten Abschnitt, also nach fünf JahrenFrühestens nach fünf Jahren Medizinstudium, bundesweit einheitliche Prüfung
Krankenpflegedienst, Erste Hilfe, FamulaturFeste Zeitpunkte nach der ApprobationsordnungZeitpunkt darf abweichen
Praktisches Jahr48 Wochen in drei Tertialen zu je 16 WochenMuss nicht in dieser Form ablaufen, in Dresden vier Ausbildungsabschnitte
ZeugnisGesamtnoteStatt der Gesamtnote ein Zeugnis mit der Note des Dritten Abschnitts und den getrennt aufgeführten Ergebnissen der physikumsgleichen Prüfungen
WechselAnerkennung durch die aufnehmende FakultätÜbergang in den Regelstudiengang samt Anrechnung muss in der Studienordnung geregelt sein

Standorte mit Modellstudiengang

Die Tabelle führt 13 Hochschulen auf, die ihren Modellstudiengang auf der eigenen Website beschreiben; der Hochschulname verlinkt dorthin. NC-Zeitreihen und weitere Kennzahlen stehen in den Profilen der Universitäten.

HochschuleModellstudiengangStartBesonderheit
Charité BerlinModellstudiengang HumanmedizinWS 2010/11Alle Studienanfänger seit dem WS 2010/11 studieren im Modellstudiengang.
RWTH AachenModellstudiengang Medizin2003Vorklinische und klinische Inhalte sind von Beginn an verknüpft.
Uni zu KölnKölner Modellstudiengang HumanmedizinWS 2003/04Der Regelstudiengang wird nicht mehr angeboten.
UKE HamburgiMEDOktober 2012Seit dem Wintersemester 2012/13 beginnen dort alle Studienanfänger im Modellstudiengang.
Medizinische Fakultät Mannheim (Uni Heidelberg)MaReCuM2006Die Fakultät wurde 2006 zur Vollfakultät ausgebaut.
Uni DüsseldorfDüsseldorfer Curriculum MedizinWS 2013/14Eine Ärztliche Zwischenprüfung nach dem dritten Studienjahr ersetzt das Physikum.
MHH HannoverHannibaL2005Unterricht in fünf Abschnitten (Quintilen) von je sieben Wochen statt in Semestern.
Uni OldenburgModellstudiengang Humanmedizin (European Medical School)Oktober 2012Kooperation mit der Universität Groningen.
TU Dresden / Campus Klinikum ChemnitzMEDiCWS 2020/21Der erste Teil der Äquivalenzprüfung folgt nach zwei Jahren; das PJ besteht aus vier Ausbildungsabschnitten.
Uni AugsburgModellstudiengang HumanmedizinWS 2019/20Modulprüfungen führen zu einer Äquivalenzbescheinigung zum Physikum.
Uni Bielefeld (Medizinische Fakultät OWL)Modellstudiengang HumanmedizinWS 2021/22Der Schwerpunkt liegt auf der allgemeinmedizinischen Ausbildung.
MHB BrandenburgBrandenburger Modellstudiengang MedizinApril 2015Hochschule in kommunaler und freigemeinnütziger Trägerschaft.
Uni Witten/HerdeckeModellstudiengang Medizin2000 staatlich anerkanntInterne Äquivalenzprüfungen ersetzen die erste staatliche Prüfung.

Die Hochschulen in Witten/Herdecke und Brandenburg an der Havel sind private Träger; Kosten und Auswahl stehen im Vergleich der Privathochschulen.

Wechsel zwischen Modell- und Regelstudiengang

Wer aus einem Modellstudiengang in den Regelstudiengang wechselt, kann sich auf § 41 Abs. 2 Nr. 8 ÄApprO berufen: Jede Studienordnung muss regeln, wie Weiterstudium, Anrechnung von Studienzeiten und Prüfungen sowie andere Studienleistungen behandelt werden. Für die umgekehrte Richtung und für den Wechsel an eine andere Fakultät entscheidet die aufnehmende Hochschule über die Einstufung. Wie die Direktbewerbung funktioniert, erklärt der Artikel zum Quereinstieg ins höhere Fachsemester; wer mit einem Studierenden an einem anderen Standort tauschen will, findet die Regeln unter Studienplatztausch.

Stand der Reform der ÄApprO

Eine vollständige Neufassung der Approbationsordnung für alle Fakultäten ist nicht in Kraft. Der Masterplan Medizinstudium 2020 von 2017 sollte sie vorbereiten; seine Umsetzung verzögert sich, weil Bund und Länder die Finanzierung nicht geklärt haben. Am 18. Februar 2026 kündigten der Medizinische Fakultätentag und die AWMF an, das Medizinstudium im geltenden Rechtsrahmen weiterzuentwickeln. Ein Zeitpunkt für das Inkrafttreten einer Neufassung steht nicht fest.

Unabhängig davon hat der Bundesrat einer Änderungsverordnung, die Fehltage und Vergütung im Praktischen Jahr neu regelt, am 16. Oktober 2026 mit Maßgaben zugestimmt; in Kraft tritt sie erst nach der Verkündung im Bundesgesetzblatt (Entwurf: 1. November 2026). Einzelheiten stehen im Artikel zum Praktischen Jahr.

Was ist der wichtigste Unterschied zum Regelstudiengang?
Im Modellstudiengang kann die Fakultät den Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung durch eigene, gleichwertige Prüfungen ersetzen (§ 41 ÄApprO). Das bundesweit einheitliche Physikum des IMPP entfällt dann. Der Zweite Abschnitt folgt wie im Regelweg frühestens nach fünf Jahren Medizinstudium.
Wie viele Universitäten bieten einen Modellstudiengang an?
Die Tabelle nennt 13 Standorte, jeweils mit Link zur Hochschulseite: Berlin, Aachen, Köln, Hamburg, Mannheim, Düsseldorf, Hannover, Oldenburg, Dresden/Chemnitz, Augsburg, Bielefeld, Brandenburg an der Havel und Witten/Herdecke. In Köln gibt es keinen Regelstudiengang mehr, am UKE Hamburg beginnen seit dem Wintersemester 2012/13 alle Studienanfänger im Modellstudiengang.
Wie bewerbe ich mich für einen Modellstudiengang?
Die Plätze im ersten Fachsemester laufen über das Verfahren von hochschulstart; die Hochschulen legen ihre Kriterien im AdH selbst fest. Ein eigenes Bewerbungsverfahren für den Modellstudiengang gibt es dort nicht. Die privaten Standorte Witten/Herdecke und MHB vergeben ihre Plätze selbst.
Kann ich vom Modellstudiengang in den Regelstudiengang wechseln?
Ja, der Übergang muss in jeder Studienordnung eines Modellstudiengangs geregelt sein, einschließlich der Anrechnung von Studienzeiten und Prüfungen (§ 41 Abs. 2 Nr. 8 ÄApprO). Welche Leistungen die aufnehmende Fakultät anerkennt, entscheidet sie im Einzelfall.
Kommt bald eine neue Approbationsordnung für alle Studiengänge?
Eine Neufassung der Approbationsordnung ist nicht in Kraft; die Fakultäten entwickeln ihre Curricula im Rahmen des geltenden Rechts weiter. Eine kleinere Änderungsverordnung zu PJ-Fehltagen und PJ-Vergütung hat der Bundesrat am 16. Oktober 2026 mit Maßgaben gebilligt; sie ist erst nach der Verkündung im Bundesgesetzblatt in Kraft.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Die Standortliste gibt den Stand der jeweiligen Hochschulseiten wieder; die Zulassungsvoraussetzungen eines Modellstudiengangs regelt § 41 Abs. 2 ÄApprO.