Die Bundeswehr erhält rund 250 der etwa 10.000 Medizinstudienplätze pro Jahr und vergibt sie an Sanitätsoffizieranwärter. Du bewirbst Dich bei der Bundeswehr, nicht über hochschulstart, und verpflichtest Dich als Soldat auf Zeit für 17 Jahre. Dafür studierst Du an einer zivilen Universität und erhältst ab Studienbeginn Dienstbezüge nach Deinem Dienstgrad. Ausgewählt wird am Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr in Köln.

Wie läuft das Studium bei der Bundeswehr ab?

Vor dem Studium steht eine militärische Ausbildung — Offizieranwärter werden dort nach Besoldungsgruppe A 3 bezahlt. Danach studierst Du Humanmedizin an einer zivilen, öffentlichen Universität, gemeinsam mit den regulär zugelassenen Studierenden. Für die Dauer des Studiums bist Du vom militärischen Dienst freigestellt und erhältst weiter das Gehalt Deines Dienstgrads. Militärische Ausbildungen finden in den Semesterferien statt, dazu kommen Truppenpraktika. Auf demselben Weg fördert die Bundeswehr auch Zahnmedizin, Veterinärmedizin, Pharmazie und Lebensmittelchemie.

Die Bundeswehr verteilt ihre Plätze auf staatliche deutsche Universitäten; Du studierst also nicht an einer Bundeswehr-Hochschule. Die Sanitätsakademie der Bundeswehr in München ist das Kompetenzzentrum für Forschung, Entwicklung und Ausbildung des Sanitätsdienstes. Nach dem Studium folgt die Weiterbildung zum Facharzt; wie lange sie je Gebiet dauert, steht im Artikel zur Facharztausbildung.

Bewerbung und Voraussetzungen

Die Karriereseite der Bundeswehr nennt für Ärzte folgende Voraussetzungen:

  • mindestens 17 Jahre alt
  • allgemeine Hochschulreife und deutsche Staatsbürgerschaft
  • Bereitschaft zum bundesweiten Einsatz und zu Auslandseinsätzen
  • Diensteid: Du schwörst, Deutschland treu zu dienen
  • Dienstzeit von 17 Jahren, mit der Möglichkeit zur Übernahme als Berufssoldat

Der Weg zum Studienplatz verläuft in sechs Schritten:

  1. Beratungsgespräch bei einer Karriereberatungsstelle der Bundeswehr, im Karriere-Chat oder per Termin.
  2. Online-Bewerbung im Bewerbungsportal der Bundeswehr; aktuelle Ausschreibungen stehen dort.
  3. Assessment am Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr in Köln: computergestützter Test, Vorstellungsgespräch, Gruppensituationsverfahren, medizinische Untersuchung und Basis-Fitnesstest, gegebenenfalls Sondertests.
  4. Einplanungsgespräch und Studienberatung bei erfolgreichem Assessment.
  5. Einstellung als Offizieranwärter und militärische Ausbildung.
  6. Studienplatz: Die Bundeswehr benennt Dich der Hochschulzulassung. Benannte der Bundeswehr gehören zu den Vorabquoten und nehmen am regulären Verfahren mit Abiturbestenquote, AdH und ZEQ nicht teil.

Wie die Vorabquoten im Verhältnis zu den Hauptquoten stehen, erklärt der Artikel zu den Quoten; den Ablauf des regulären Verfahrens beschreibt die Bewerbung über hochschulstart.

Was verdient man als Sanitätsoffizieranwärter im Studium?

Als Soldat auf Zeit wirst Du nach dem Bundesbesoldungsgesetz (BBesG) besoldet. Das Grundgehalt richtet sich nach Dienstgrad und Erfahrungsstufe. Die Bundeswehr nennt für Offiziere folgende gerundete Bruttobeträge (veröffentlicht am 14.10.2026):

DienstgradMindestdienstzeit bis zum DienstgradBrutto je Monat (gerundet)
Fahnenjunker / Seekadett12 Monate2.940 €
Fähnrich / Fähnrich zur See21 Monate3.100 €
Oberfähnrich / Oberfähnrich zur See30 Monate3.500 €
Leutnant / Leutnant zur See3 Jahre3.670 bis 3.840 €
Oberleutnant / Oberleutnant zur See5,5 Jahre3.940 bis 4.160 €
Hauptmann / Kapitänleutnant8,5 Jahre4.750 bis 5.400 €

Gerundetes Brutto in der jeweils typischen Besoldungsgruppe und Erfahrungsstufe, Quelle: bundeswehr.de, Veröffentlichungsdatum 14.10.2026. Die Grundgehaltstabelle (Anlage IV BBesG) trägt im Gesetzestext den Stand 1. März 2024.

Netto zeigt die Musterberechnung der Karriereseite: Ein lediger Offizieranwärter mit 19 Jahren erhält 2.321 €, ein lediger Leutnant mit 22 Jahren 2.833 € und ein Hauptmann mit 28 Jahren, verheiratet und mit zwei Kindern, 3.777 € — nicht alle Zulagen sind berücksichtigt. Soldaten sind nicht sozialversicherungspflichtig und werden unentgeltlich truppenärztlich versorgt; eine Pflegeversicherung müssen sie abschließen. Das zivile Gehalt nach dem Studium beschreibt der Artikel zum Assistenzarzt-Gehalt.

Abbruch oder vorzeitiges Ausscheiden

Als Sanitätsoffizieranwärter bist Du Soldat auf Zeit. Scheidest Du vor Ablauf der Dienstzeit aus, kann die Bundeswehr die Kosten Deines Studiums zurückfordern: Nach § 56 Abs. 4 Soldatengesetz muss ein früherer Soldat auf Zeit, dessen Ausbildung mit einem Studium verbunden war, in den dort genannten Fällen die Kosten des Studiums erstatten, und der Sanitätsoffizieranwärter zusätzlich das gewährte Ausbildungsgeld. Die Tabelle ordnet die wichtigsten Fälle zu.

FallVorschriftErstattung nach § 56 Abs. 4 SG
Entlassung auf eigenen Antrag§ 55 Abs. 3, § 56 Abs. 4 Nr. 1Ja. Ein Anspruch auf Entlassung besteht bei besonderer Härte aus persönlichen, häuslichen, beruflichen oder wirtschaftlichen Gründen.
Nichteignung zum Sanitätsoffizier in den ersten vier Dienstjahren§ 55 Abs. 4, § 56 Abs. 4 Nr. 3Nur, wenn Du die Entlassung vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt hast.
Fristlose Entlassung nach schuldhafter Pflichtverletzung in den ersten vier Dienstjahren§ 55 Abs. 5, § 56 Abs. 4 Nr. 4Ja.
Dienstunfähigkeit§ 55 Abs. 2Der Fall steht nicht in der Aufzählung des § 56 Abs. 4.
Verlust der Rechtsstellung oder Entfernung durch Disziplinarurteil§ 56 Abs. 4 Nr. 5 und 6Ja.

Auf die Erstattung kann ganz oder teilweise verzichtet werden, wenn sie für Dich eine besondere Härte bedeutet. Gestundete Beträge werden mit 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz verzinst. Fällt das Studium aus, greift in den ersten vier Dienstjahren § 55 Abs. 4: Wer die Anforderungen der Laufbahn nicht mehr erfüllt, kann entlassen werden. Bei der Landarztquote bindest Du Dich ebenfalls — dort greift statt der Kostenerstattung eine Vertragsstrafe, die je Bundesland unterschiedlich hoch ist.

Vor- und Nachteile

Für ein Studium bei der Bundeswehr sprechen das Gehalt ab dem ersten Semester, die truppenärztliche Versorgung und der Studienplatz über die Vorabquote statt über das reguläre Auswahlverfahren. Dagegen stehen 17 Jahre Dienstzeit, Einsätze im Inland und gegebenenfalls im Ausland, militärische Ausbildungen in den Semesterferien und die mögliche Kostenerstattung bei vorzeitigem Ausscheiden. Du bewirbst Dich außerdem nicht um einen bestimmten Studienort, denn die Bundeswehr verteilt ihre Plätze auf die Universitäten. Wer lieber frei über Wohnort und Fachrichtung entscheidet, ist mit der regulären Bewerbung besser beraten. Eine Finanzierung ohne Dienstzeit beschreibt der Artikel Privatstudium finanzieren. Wie sich die Bundeswehr zu Quoten, Privathochschulen und Klage verhält, zeigt der Vergleich der Sonderwege.

Welche Voraussetzungen brauche ich für das Medizinstudium bei der Bundeswehr?
Die Karriereseite nennt: mindestens 17 Jahre alt, allgemeine Hochschulreife, deutsche Staatsbürgerschaft, Bereitschaft zum bundesweiten Einsatz und zu Auslandseinsätzen sowie den Diensteid. Hinzu kommt das Auswahlverfahren am Assessmentcenter in Köln.
Muss ich für ein Bundeswehr-Medizinstudium den NC oder TMS erfüllen?
Nein. Das reguläre Verfahren mit Abiturbestenquote, AdH und ZEQ läuft für Benannte der Bundeswehr nicht; sie zählen zu den Vorabquoten. Ausgewählt wirst Du am Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr in Köln.
Wie lange muss ich bei der Bundeswehr bleiben?
Die Dienstzeit in der Laufbahn der Offiziere beträgt mit Medizinstudium 17 Jahre, mit der Möglichkeit zur Übernahme als Berufssoldat. Für ein Zahnmedizinstudium nennt die Karriereseite ebenfalls 17 Jahre.
Was passiert, wenn ich das Studium abbreche oder vorzeitig ausscheide?
Wer auf eigenen Antrag entlassen wird, muss nach § 56 Abs. 4 Soldatengesetz die Kosten des Studiums und das gewährte Ausbildungsgeld erstatten. Auf die Erstattung kann ganz oder teilweise verzichtet werden, wenn sie eine besondere Härte bedeutet. Eine Entlassung wegen Dienstunfähigkeit steht nicht in der Aufzählung dieser Vorschrift.
Gibt es das auch für Zahnmedizin?
Ja. Die Bundeswehr fördert auf diesem Weg außerdem Zahn- und Veterinärmedizin, Pharmazie und Lebensmittelchemie. Für Zahnmedizin gelten laut Karriereseite dieselben Voraussetzungen und 17 Jahre Dienstzeit.
Verdiene ich während des Studiums schon Geld?
Ja. Als Sanitätsoffizieranwärter bist Du Soldat auf Zeit und erhältst ab Studienbeginn das Gehalt Deines Dienstgrads. Ein Fahnenjunker liegt laut Bundeswehr bei rund 2.940 € brutto, ein Leutnant bei 3.670 bis 3.840 €. Die Netto-Musterberechnung der Karriereseite nennt für einen ledigen Offizieranwärter mit 19 Jahren 2.321 €.
An welcher Universität studiere ich als Sanitätsoffizieranwärter?
An einer zivilen, öffentlichen Universität gemeinsam mit den regulär zugelassenen Studierenden. Die Bundeswehr erhält rund 250 der etwa 10.000 Medizinstudienplätze und verteilt sie auf staatliche Universitäten. Die Sanitätsakademie der Bundeswehr in München ist das Kompetenzzentrum für Forschung, Entwicklung und Ausbildung des Sanitätsdienstes.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Die Besoldungsangaben entsprechen der Veröffentlichung der Bundeswehr vom 14.10.2026; die Dienstzeit und die Voraussetzungen nennt die Karriereseite der Bundeswehr.