Die Facharztausbildung dauert je nach Fachgebiet 60 oder 72 Monate Mindestzeit — 60 Monate etwa für Allgemeinmedizin, Innere Medizin oder Anästhesiologie, 72 Monate für die meisten chirurgischen Fächer. Grundlage ist die Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer, rechtsverbindlich wird sie erst über die Ordnung der jeweiligen Landesärztekammer. Beginnen kannst Du erst nach der Approbation, bezahlt wird die Weiterbildung als ärztliche Berufstätigkeit nach Tarif (siehe Assistenzarzt Gehalt).

Wie läuft die Facharztweiterbildung ab?

Die Weiterbildung findet unter verantwortlicher Leitung weiterbildungsbefugter Ärzte an zugelassenen Weiterbildungsstätten statt, das können Unikliniken, zugelassene Krankenhäuser oder Praxen sein. Über den gesamten Zeitraum führst Du ein Logbuch, das mindestens jährlich bestätigt werden muss. Mit dem befugten Arzt führst Du nach jedem Weiterbildungsabschnitt, mindestens aber einmal im Jahr, ein Gespräch über den Stand. Am Ende jedes Abschnitts erhältst Du ein Zeugnis, auf Antrag grundsätzlich innerhalb von drei Monaten. Anhand der Zeugnisse und des Logbuchs lässt Dich die Ärztekammer zur Prüfung zu. Ein Wechsel zwischen mehreren Weiterbildungsstätten ist üblich — die Zeiten lassen sich in Tätigkeitsabschnitten von mindestens drei Monaten sammeln.

Weiterbildungszeiten im Überblick

Die folgende Tabelle zeigt die Mindestweiterbildungszeiten nach der MWBO 2018 in der Fassung vom 3. Juli 2026. Die Bundesärztekammer hat die Muster-Ordnung im November 2018 beschlossen und seither durch Nachträge des Vorstands und der Deutschen Ärztetage geändert, zuletzt durch den 130. Deutschen Ärztetag 2026:

FacharztbezeichnungWeiterbildungszeit
Allgemeinmedizin60 Monate (davon 24 ambulant-hausärztlich, 12 stationäre Akutversorgung Innere Medizin, 6 in einem weiteren Gebiet der Patientenversorgung; 80 Stunden Kurs Psychosomatische Grundversorgung)
Innere Medizin60 Monate
Innere Medizin mit Schwerpunkt (z. B. Kardiologie, Gastroenterologie)72 Monate (eigener Facharzttitel)
Allgemeinchirurgie72 Monate
Viszeral-, Gefäß-, Herz-, Thorax-, Kinder-, Plastische Chirurgieje 72 Monate
Orthopädie und Unfallchirurgie72 Monate
Neurochirurgie72 Monate
Anästhesiologie60 Monate
Frauenheilkunde und Geburtshilfe60 Monate
Kinder- und Jugendmedizin60 Monate
Psychiatrie und Psychotherapie60 Monate
Radiologie60 Monate
Neurologie60 Monate (davon 6 Intensivmedizin, 6 Stroke Unit, 6 Psychiatrie und Psychotherapie)
Haut- und Geschlechtskrankheiten (Dermatologie)60 Monate
Augenheilkunde60 Monate
Hals-Nasen-Ohrenheilkunde60 Monate
Urologie60 Monate
Pathologie60 Monate (bis zu 12 Monate Neuropathologie anrechenbar)
Nuklearmedizin60 Monate (bis zu 12 Monate Radiologie anrechenbar)
Laboratoriumsmedizin60 Monate (davon 30 in klinischer Chemie sowie Immunologie, Hämatologie, Hämostaseologie und Molekulargenetik, 12 in der stationären Patientenversorgung)
Radioonkologie und Strahlentherapie60 Monate
Hygiene und Umweltmedizin48 Monate
Öffentliches Gesundheitswesen54 Monate (davon 30 in einer Einrichtung des öffentlichen Gesundheitswesens, 18 davon im Gesundheitsamt; 24 in der unmittelbaren Patientenversorgung; 360 Stunden Kurs)
Anatomie und Physiologieje 36 Monate
Schwerpunkte (z. B. Neonatologie, Neuroradiologie, Spezielle Unfallchirurgie)zusätzlich je 24 Monate

Das sind bundesweite Mindestzeiten nach dem MWBO-Muster. Die Landesärztekammern setzen sie in eigenen Ordnungen um und weichen teils ab: Im Öffentlichen Gesundheitswesen schreibt die Weiterbildungsordnung Nordrhein (Fassung vom 12. März 2022) 60 statt 54 Monate vor, davon 24 Monate in einer Einrichtung des öffentlichen Gesundheitswesens und 12 Monate im Gesundheitsamt. Die ÖGD-Quote setzt nach dem Studium die Facharztweiterbildung Öffentliches Gesundheitswesen voraus, die Landarztquote die Facharztweiterbildung Allgemeinmedizin oder eine vergleichbare. Wie der Weg zur Hausarztpraxis aussieht, steht unter Landarzt werden.

Die Facharztprüfung: Ablauf und Bewertung

Zur Prüfung lässt die Ärztekammer anhand der vorliegenden Zeugnisse und des Logbuchs zu (§ 12 MWBO). Die Prüfung ist nicht öffentlich und dauert mindestens 30 Minuten. Der Prüfungsausschuss besteht aus drei Ärzten, von denen zwei die zu prüfende Bezeichnung führen müssen (§ 13 und § 14). Der Termin liegt spätestens sechs Monate nach der Zulassung, die Ladung erfolgt mit mindestens zwei Wochen Vorlauf. Besteht der Prüfling nicht, beschließt der Ausschuss Auflagen und eine Verlängerung der Weiterbildung um mindestens drei Monate, bei Facharztweiterbildungen um höchstens zwei Jahre. Die Wiederholungsprüfung ist frühestens drei Monate nach dem ersten Versuch möglich. Nach bestandener Prüfung erteilt die Ärztekammer die Anerkennungsurkunde.

Teilzeit, Elternzeit und Anrechnung

Eine Weiterbildung in Teilzeit ist möglich, sofern sie die Qualität einer ganztägigen Weiterbildung erreicht. Die MWBO nennt dafür in der Regel mindestens die Hälfte der wöchentlichen Arbeitszeit (§ 4 Abs. 6). Die Weiterbildungszeit verlängert sich entsprechend: Wer 60 Monate in Vollzeit braucht, benötigt bei halber Stelle rechnerisch 120 Monate. Unterbrechungen wegen Schwangerschaft, Elternzeit, Wehr- und Ersatzdienst oder Krankheit zählen nicht als Weiterbildungszeit. Ausgenommen sind Unterbrechungen von insgesamt höchstens sechs Wochen im Kalenderjahr; tariflicher Erholungsurlaub gilt nicht als Unterbrechung (§ 4 Abs. 4). Bei einer weiteren Facharztbezeichnung kann sich die Zeit verkürzen, höchstens aber um die Hälfte der Mindestdauer (§ 4 Abs. 10). Die Ärztekammer Nordrhein bietet für die Berechnung einen Teilzeitrechner an.

Weiterbildungsstelle und Verbundweiterbildung

Weiterbilden darf nur ein Arzt mit Befugnis der Ärztekammer. Die Kammer führt ein Verzeichnis der befugten Ärzte und Weiterbildungsstätten mit Angaben zum Umfang der Befugnis (§ 5 Abs. 6 MWBO). Die Ärztekammer Nordrhein stellt eine Befugtensuche bereit, in der sich nach Facharzt oder Schwerpunkt, ambulant und stationär, filtern lässt. Scheidet der befugte Arzt aus der Weiterbildungsstätte aus, erlischt seine Befugnis (§ 7 Abs. 2). In einem Weiterbildungsverbund schließen sich stationäre und ambulante Weiterbildungsstätten einer Region zusammen. Sie bieten eine durchgehende und vollständige Weiterbildung bis zur Prüfungszulassung an — die Ärztekammer Nordrhein führt Verbünde für einzelne Fächer, etwa Urologie und Innere Medizin mit Gastroenterologie. Die Facharztweiterbildung schließt an das Praktische Jahr und die Approbation an.

Welche Weiterbildungsordnung gilt

Rechtsverbindlich ist die Weiterbildungsordnung der Landesärztekammer, der Du angehörst; die MWBO der Bundesärztekammer ist die Vorlage dazu. Bei Wohnortwechsel oder Fächern mit Abweichungen lohnt der Abgleich mit der Ordnung der Kammer vor Ort.

Wie lange dauert die Facharztausbildung mindestens?
Je nach Fach 60 oder 72 Monate. Allgemeinmedizin, Innere Medizin und die meisten konservativen Fächer liegen bei 60 Monaten, die operativen Fächer wie Allgemein-, Unfall- oder Neurochirurgie bei 72 Monaten. Zusätzliche Schwerpunkte kommen mit weiteren 24 Monaten obendrauf.
Ist die MWBO rechtlich bindend?
Nein, die Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer hat nur empfehlenden Charakter. Rechtsverbindlich ist ausschließlich die Weiterbildungsordnung der jeweiligen Landesärztekammer, die von der MWBO im Detail abweichen kann.
Wie läuft die Facharztprüfung ab?
Nach der MWBO ist die Prüfung nicht öffentlich, dauert mindestens 30 Minuten und findet vor einem Ausschuss aus drei Ärzten statt. Der Termin liegt spätestens sechs Monate nach der Zulassung (§ 14). Wer nicht besteht, verlängert die Weiterbildung um mindestens drei Monate, bei Facharztweiterbildungen höchstens um zwei Jahre, und kann frühestens nach drei Monaten wiederholen.
Wer darf Ärzte in Weiterbildung anleiten?
Nur Ärzte mit eigener Weiterbildungsbefugnis, die von der Landesärztekammer erteilt wird und an fachliche Eignung sowie mehrjährige Berufserfahrung nach der eigenen Weiterbildung geknüpft ist. Nach der MWBO wird die Befugnis grundsätzlich für eine Facharztweiterbildung und insgesamt für höchstens drei Weiterbildungen erteilt; die Ärztekammer Nordrhein formuliert es abweichend, ohne die Höchstzahl.
Kann ich mit der Weiterbildung vor der Approbation beginnen?
Nein. Nach der MWBO kann die Weiterbildung erst nach der ärztlichen Approbation oder der Erlaubnis zur Ausübung des ärztlichen Berufes beginnen. Die Approbation beantragst Du nach dem Studium bei der zuständigen Behörde.
Wird eine Weiterbildung im Ausland anerkannt?
Eine abweichende Weiterbildung oder ärztliche Tätigkeit unter Anleitung kann vollständig oder teilweise anerkannt werden, wenn sie gleichwertig ist, also Inhalte und Zeiten der Weiterbildungsordnung wahrt (§ 10 MWBO). Die Anerkennung der Facharztbezeichnung erteilt die Ärztekammer (§ 11 MWBO).

Quellen

Stand: Oktober 2026. Die MWBO ist nur empfehlend; verbindlich ist die Weiterbildungsordnung der jeweiligen Landesärztekammer.