Landarzt wirst Du als Facharzt für Allgemeinmedizin: Medizinstudium, 60 Monate Weiterbildung, danach Niederlassung oder Anstellung in einer Region mit Bedarf. Für die Weiterbildung zahlen KV und Krankenkassen 5.800 € Gehaltszuschuss je Monat und Vollzeitstelle, für die Niederlassung Zuschüsse von bis zu 60.000 € (Niedersachsen, Bayern) oder 70.000 € (Nordrhein). Der Nachwuchs wird gebraucht: Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung stellten die Landesausschüsse 2025 in 40 Planungsbereichen Unterversorgung fest, in 173 weiteren drohende Unterversorgung, überwiegend hausärztlich.

Der Weg zum Landarzt in vier Schritten

  1. Medizinstudium, auf Wunsch über die Landarztquote (siehe Abschnitt unten).
  2. Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin: 60 Monate, davon 24 ambulant-hausärztlich und 12 in stationärer Innerer Medizin (Muster-Weiterbildungsordnung). Die Weiterbildungsstelle in der Praxis fördern KV und Krankenkassen mit 5.800 € je Monat und Vollzeitstelle; in unterversorgten Gebieten kommen 500 €, in von Unterversorgung bedrohten Gebieten 250 € hinzu. Alle Facharztzeiten stehen im Artikel Facharztausbildung.
  3. Niederlassung oder Anstellung: Die KBV zählt für 2025 knapp 123.000 Vertragsärzte und -psychotherapeuten in eigener Praxis und knapp 59.000 Angestellte, deren Zahl um rund 3.300 gestiegen ist.
  4. Förderprogramme der KV und des Landes für Neuniederlassung, Zweigpraxis und Praxisübernahme. In Niedersachsen verlangt die Förderung mindestens fünf Jahre Tätigkeit am Ort.

Das Gehalt in der Weiterbildung orientiert sich an der Vergütung im Krankenhaus; die Tabellen stehen im Artikel Assistenzarzt-Gehalt.

Versorgungslage in Zahlen

Hausärztliche Unterversorgung beginnt formal bei einem Versorgungsgrad unter 75 Prozent, fachärztliche unter 50 Prozent. Viele Praxen stehen vor dem Generationenwechsel, und Ärzte arbeiten häufiger in Teilzeit: Die Zahl der Hausärzte stieg 2025, die der vollen hausärztlichen Sitze sank um 0,1 Prozent.

KennzahlWertStandQuelle
Planungsbereiche mit eingetretener Unterversorgung4031.12.2025KBV, Landesbeschlüsse über Unterversorgung
Planungsbereiche mit drohender Unterversorgung17331.12.2025KBV, Landesbeschlüsse über Unterversorgung
Unbesetzte Hausarztsitzerund 5.000Oktober 2026KBV, Dossier Sicherstellung
Niedergelassene ab 60 Jahrenrund 30 % (Hausärzte: fast 40 %)Oktober 2026KBV, Dossier Sicherstellung
Vertragsärzte und -psychotherapeuten191.875 (+1,2 %)2025KBV, Arztzahlstatistik 2025
Hausärzteknapp 56.000 (+0,6 %)2025KBV, Praxisnachricht vom 12.03.2026
In Teilzeit tätige Ärzte und Psychotherapeutenmehr als 70.0002025KBV, Arztzahlstatistik 2025
Durchschnittsalter der Ärzte und Psychotherapeuten53,9 Jahre2025KBV, Arztzahlstatistik 2025

Förderprogramme der Kassenärztlichen Vereinigungen

Wie hoch die Förderung ausfällt, unterscheidet sich deutlich von KV zu KV. Drei Beispiele mit offiziell belegten Beträgen:

KVNeuniederlassungZweigpraxisWeitere Förderung
KV Niedersachsenbis 60.000 €bis 30.000 €Starterprämie 6.000 €/Quartal, max. 8 Quartale (bis 48.000 €), Bindung mind. 5 Jahre
KV Nordrheinbis 70.000 €bis 10.000 €Anschubfinanzierung Angestellte bis 50.000 € über 20 Quartale, seit 2022 auch fachärztlich
KV BayernsSicherstellungszuschlag 4.500 €/Quartal—Weiterbildungsförderung bis 5.800 €, PJ-Lehrpraxen-Förderung 1.000 €

Ergänzend fördert das bayerische Gesundheitsministerium (nicht die KV) mit der Landarztprämie Niederlassungen in Gemeinden mit höchstens 20.000 Einwohnern: bis zu 60.000 € bei einer Neuniederlassung, bis zu 15.000 € bei einer Filialpraxis. Seit 2012 gab es laut Pressemitteilung vom 2. Oktober 2026 knapp 1.590 Förderungen, davon 1.032 für Hausärzte.

Strukturfonds: der bundesweite Rahmen

Hinter den einzelnen KV-Programmen steht eine bundesweite gesetzliche Pflicht: Nach § 105 Abs. 1a SGB V muss jede Kassenärztliche Vereinigung einen Strukturfonds bilden, gespeist aus 0,1 bis 0,2 Prozent der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung, den die Krankenkassen verdoppeln. Aus diesem Fonds finanzieren die KVen Investitionszuschüsse für Neugründungen, Übernahmen und Zweigpraxen, Vergütungszuschläge, Stipendien und lokale Gesundheitszentren — die konkrete Ausgestaltung und Höhe legt jede KV in eigenen Richtlinien fest, wie die Beispiele oben zeigen.

Landarzt über die Landarztquote werden

Wer schon vor dem Studium weiß, dass er Hausarzt auf dem Land werden will, braucht keinen NC-Studienplatz. Elf Bundesländer vergeben Studienplätze über eine Landarztquote (Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen). Im Gegenzug verpflichten sich die Bewerber mehrjährig zur hausärztlichen Tätigkeit in einer unterversorgten Region. Die Abiturnote zählt in sieben dieser Länder mit, je nach Land unterschiedlich gewichtet (Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Saarland, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen-Anhalt). In Baden-Württemberg, Bayern und Hessen spielt sie keine Rolle.

Verfahren, Fristen und Vertragsstrafen je Land stehen im Artikel zur Landarztquote, die Studienorte im Überblick der Bundesländer. Wer lieber ins Gesundheitsamt will, findet den Weg in der ÖGD-Quote.

Wie viele Regionen in Deutschland sind medizinisch unterversorgt?
Zum Stichtag 31.12.2025 zählte die KBV 40 Planungsbereiche mit eingetretener und 173 mit drohender Unterversorgung, überwiegend hausärztlich. Unterversorgung beginnt hausärztlich bei einem Versorgungsgrad unter 75 Prozent, fachärztlich unter 50 Prozent.
Wie wird die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner gefördert?
Für Ärzte in Weiterbildung in einer Praxis zahlen KV und Krankenkassen einen Gehaltszuschuss von aktuell 5.800 € im Monat je Vollzeitstelle. In unterversorgten Gebieten kommen 500 €, in von Unterversorgung bedrohten Gebieten 250 € hinzu. Bundesweit werden mindestens 7.500 Stellen in der Allgemeinmedizin gefördert.
Wie lange dauert es bis zur eigenen Landarztpraxis?
Modellrechnung: sechs Jahre Studium und 60 Monate Weiterbildung ergeben elf Jahre bis zur Facharztanerkennung. Danach kannst Du Dich niederlassen oder eine Praxis übernehmen. Wer über die Landarztquote studiert, bindet sich zusätzlich für mehrere Jahre an eine Bedarfsregion.
Was ist der Strukturfonds der Kassenärztlichen Vereinigungen?
Nach § 105 Abs. 1a SGB V muss jede KV einen Strukturfonds bilden, gespeist aus 0,1 bis 0,2 Prozent der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung, verdoppelt durch die Krankenkassen. Daraus werden Investitionszuschüsse, Vergütungszuschläge, Stipendien und lokale Gesundheitszentren finanziert.
Muss ich über die Landarztquote studieren, um später als Landarzt zu arbeiten?
Nein. Die Förderprogramme der KVen gelten unabhängig vom Zugangsweg zum Studium. Wer schon vor dem Studium sicher weiß, dass er Hausarzt auf dem Land werden will, kann über die Landarztquote einen Studienplatz bekommen, ohne den NC zu erreichen.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Versorgungszahlen: KBV, Stichtag 31.12.2025 bzw. Arztzahlstatistik 2025, veröffentlicht am 12.3.2026; Fördersummen: die genannten Förderrichtlinien.