Ins höhere Fachsemester Humanmedizin wechselst Du über eine Bewerbung direkt an der Zielhochschule. Das zentrale Verfahren von hochschulstart vergibt ausschließlich Studienplätze für das 1. Fachsemester; wer bereits Studienleistungen erbracht hat, wendet sich laut hochschulstart-FAQ an die jeweilige Hochschule. Fristen und Auswahlregeln legt jede Hochschule selbst fest, und ein Platz wird nur frei, wenn im gewünschten Semester ein Studierender ausscheidet.
Dazu kommt die Anrechnung. Kommst Du aus einem Medizinstudium an einer deutschen Universität, gelten Deine Leistungen bundesweit, ein Anrechnungsbescheid ist nicht nötig. Kommst Du aus einem anderen Fach, aus der Zahnmedizin oder aus dem Ausland, entscheidet nach § 12 ÄApprO das Landesprüfungsamt über die Anerkennung. Welcher Weg zu welcher Herkunft passt, zeigt die Tabelle weiter unten.
So läuft der Wechsel in der Praxis ab
- Leistungsstand klären: Aus welchem Studium kommst Du, und welchem Fachsemester entsprechen Deine Leistungen? Freiburg nennt für jedes Fachsemester die nötigen Nachweise (für das 5. Fachsemester das Physikum), Oldenburg stellt eine Checkliste zur Selbsteinstufung bereit.
- Anrechnung beantragen, falls nötig. Bei einem Wechsel aus einem anderen Studiengang oder aus dem Ausland brauchst Du einen Anrechnungsbescheid des Landesprüfungsamts; Greifswald empfiehlt, ihn vor der Bewerbung einzuholen.
- Frist und Portal der Hochschule prüfen. Einzelne Hochschulen wie Greifswald verlangen vorab die Registrierung bei hochschulstart, um eine Bewerber-ID zu erhalten; beworben wird dann im Portal der Hochschule.
- Unterlagen hochladen. Marburg und Freiburg setzen Nachreichfristen, Oldenburg lässt keine Nachreichung nach Fristende zu.
- Auf die Zulassung warten. Ob im Semester ein Platz frei geworden ist, lässt sich laut Oldenburg erst nach Ende der Rückmeldephase feststellen. Ein Rechtsanspruch besteht nicht, und ein Anrechnungsbescheid eröffnet nur die Möglichkeit, sich um den Platz zu bewerben.
Fristen und Bewerbung im höheren Fachsemester
Fristen und Bewerbungsweg unterscheiden sich je Hochschule. Die Tabelle zeigt fünf Beispiele nach den Hochschulseiten, abgerufen im Oktober 2026. Die Fristen aller 37 Hochschulen mit Bewerbungsweg und Nachreichfristen stehen in der Übersicht der Bewerbungsfristen im höheren Fachsemester; der Bewerbungskalender Medizin 2027 ordnet sie neben die Termine der übrigen Wege.
| Hochschule | Wintersemester | Sommersemester | Weg und Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Greifswald | 01.08. bis 15.09. | 15.01. bis 15.02. | Registrierung bei hochschulstart (BID/BAN), Bewerbung im Campusportal; Unbedenklichkeitsbescheinigung bei Hochschulwechsel in Deutschland |
| Marburg | bis 15.07. (Nachreichung bis 05.09.) | bis 15.01. (Nachreichung bis 05.03.) | Bewerbungsportal der Universität; nur das nächsthöhere Fachsemester, Härtefallantrag nicht möglich |
| Freiburg | 15.06. bis 15.07. (Nachreichung bis 20.09.) | 01.12. bis 15.01. (Nachreichung bis 20.03.) | Online-Portal „Höhere Semester“; Wintersemester nur ungerade, Sommersemester nur gerade Fachsemester |
| Oldenburg | 01.06. bis 15.07. | 15.12. bis 15.01. | Bewerbungsportal; Modellstudiengang mit eigener Einstufung, keine Nachreichung nach Fristende |
| Hamburg | bis 15.07. | bis 15.01. | Online über STiNE; für Medizin nur ins Hauptstudium (nach dem ersten Studienabschnitt) |
Vier der fünf Hochschulen setzen für das Sommersemester den 15. Januar als letzten Tag, für das Sommersemester 2027 ist das der 15. Januar 2027. Am selben Tag endet im zentralen Verfahren die Frist für das 1. Fachsemester (Übersicht in Alle Bewerbungsfristen).
Bewerben sich mehr Studierende, als Plätze frei sind, entscheidet die Hochschule nach ihrer Satzung. Marburg bedient vier Gruppen nacheinander: endgültig zugelassene Marburger Studierende, die höher stufen wollen, dann Inhaber eines Teilstudienplatzes, dann Bewerber mit bisheriger Einschreibung oder anrechenbaren Leistungen an einer deutschen Hochschule, zuletzt sonstige Bewerber. Innerhalb der Gruppen entscheidet eine Zufallszahl, in der dritten Gruppe zuerst eine Rangfolge nach Schwerbehinderung, Hauptwohnsitz mit Ehegatten oder Kindern im Einzugsbereich und sozialen Gründen. Greifswald berücksichtigt zuerst Bewerber, die für den Studiengang an einer Hochschule im Geltungsbereich des Staatsvertrags oder in der EU endgültig eingeschrieben sind oder waren.
Checkliste: Unterlagen für die Bewerbung
Welche Nachweise nötig sind, regelt jede Hochschule selbst. Auf den Seiten von Greifswald, Marburg, Freiburg und Oldenburg stehen diese Unterlagen:
- Hochschulzugangsberechtigung, in Oldenburg mit der Durchschnittsnote als Dezimalzahl
- aktuelle Studienbescheinigung mit Angabe der Fachsemester
- Leistungsübersicht (Transcript of Records) und Leistungsnachweise
- Anrechnungsbescheid des Landesprüfungsamts bei Leistungen aus einem anderen Studiengang oder aus dem Ausland
- Äquivalenzbescheinigung der medizinischen Fakultät bei einem verwandten Studiengang
- Zeugnis über den Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (Physikum) für die Bewerbung in die Klinik
- bei einem Hochschulwechsel innerhalb Deutschlands die Unbedenklichkeitsbescheinigung der bisherigen Hochschule (Greifswald)
- bei ausländischer Hochschulzugangsberechtigung ein Sprachnachweis (Marburg: mindestens DSH-2) und die Prüfung über uni-assist
Welche Leistungen werden angerechnet?
Rechtsgrundlage ist § 12 ÄApprO. Nach Absatz 1 Nr. 1 rechnet die zuständige Stelle „Zeiten eines im Inland betriebenen verwandten Studiums“ an, soweit Gleichwertigkeit gegeben ist; Nr. 2 erfasst Medizin und verwandte Studien im Ausland (dazu der Artikel zum Weg zurück aus dem Ausland). Nach Absatz 2 sind Leistungen ausgenommen, die das Studium abschließen oder die im Inland endgültig nicht bestanden wurden.
Zuständig ist nach Absatz 4 das Land, in dem Du für Medizin eingeschrieben oder zugelassen bist, sonst das Land Deines Geburtsorts, sonst Nordrhein-Westfalen. Der Bundesrat hat am 16. Oktober 2026 einer Verordnung zugestimmt, die § 12 neu fasst (Drucksache 504/26); beim Fehlen einer Einschreibung soll danach zuerst das Geburtsland und erst dann das Land des gewöhnlichen Aufenthalts zuständig sein. Verkündung und Inkrafttreten stehen aus (Stand 17. Oktober 2026), bis dahin gilt die heutige Fassung. Bei Fragen zur Zuständigkeit im Einzelfall helfen das Landesprüfungsamt oder quereinstieg-medizin.de.
Was angerechnet wird, hängt von Deinen Unterlagen ab: Das Landesprüfungsamt NRW entscheidet nur anhand der individuellen Studienunterlagen und bezeichnet allgemeine Auskünfte zu Ländern oder Universitäten als nicht verbindlich. Als Maßstab nennt sein Merkblatt (Stand 8. September 2023) diese Fälle:
| Leistung | Einschätzung | Vorgehen |
|---|---|---|
| Humanmedizin an einer deutschen Universität | Keine Anerkennung durch das Landesprüfungsamt nötig, die Leistungen gelten bundesweit | Leistungsnachweise bei der Zielhochschule vorlegen |
| Vorklinische Leistungen aus einem verwandten Studiengang | Maßstab sind die Scheine nach Anlage 1 ÄApprO: 3 große Scheine oder 2 große plus 2 kleine ergeben 1 Semester | Äquivalenzbescheinigung der Fakultät, Antrag beim Landesprüfungsamt |
| Klinische Leistungen | Anerkennung erst nach bestandenem oder anerkanntem Ersten Abschnitt; 7 Leistungsnachweise, Querschnittsbereiche oder Blockpraktika ergeben 1 Semester | Antrag beim Landesprüfungsamt nach dem Physikum |
| Erster Abschnitt aus dem Ausland | Anerkennung, wenn der gesamte Prüfungsstoff nach Anlage 10 ÄApprO geprüft wurde und der dreimonatige Krankenpflegedienst vorliegt | Antrag beim Landesprüfungsamt (Details im Artikel zum Ausland) |
| Abschließende oder endgültig nicht bestandene Leistungen | Ausgeschlossen nach § 12 Abs. 2 Satz 2 ÄApprO | Keine Anrechnung möglich |
Das Landesprüfungsamt NRW erhebt eine Gebühr nur bei einem positiven Bescheid und setzt keine Antragsfristen. Bei vollständigen Unterlagen ist meist mit kurzer Bearbeitung zu rechnen; zieht das Amt eine externe Gutachterstelle hinzu, können mehrere Monate vergehen. Das Landesprüfungsamt Hamburg nennt 100 bis 200 Euro pro Anrechnung (Stand Februar 2026). Beantrage die Anrechnung deshalb vor der Bewerbungsfrist der Hochschule.
Welche Herkunft, welcher Weg
| Herkunft | Weg | Mehr dazu |
|---|---|---|
| Humanmedizin an einer anderen deutschen Universität | Direktbewerbung im höheren Fachsemester; bei gleichem Fachsemester auch Tausch mit einem Studierenden der Zielhochschule | Studienplatztausch |
| Zahnmedizin | Anrechnungsbescheinigung des Landesprüfungsamts, dann Direktbewerbung | Zahnmedizin zu Humanmedizin |
| Medizinstudium im Ausland | Anerkennung nach § 12 Abs. 1 Nr. 2 ÄApprO, danach Direktbewerbung | Weg zurück aus dem Ausland |
| Anderes Fach, etwa Pharmazie oder Psychologie | Äquivalenzbescheinigungen und Anrechnungsbescheid; ohne anrechenbare Leistungen die Bewerbung im 1. Fachsemester | Zweitstudium |
| Abgeschlossenes Studium, Neustart in Medizin | Bewerbung im 1. Fachsemester über die Zweitstudienquote von höchstens drei Prozent | Zweitstudium |
| Teilstudienplatz (nur Vorklinik) | Bewerbung um den Vollstudienplatz; Marburg bedient Inhaber eines Teilstudienplatzes in der zweiten Gruppe | Teilstudienplatz |
Wer über hochschulstart als Studienanfänger einen Platz erhält, wird laut Universität Hamburg in der Regel nicht in ein höheres Semester eingestuft, auch wenn Studienleistungen angerechnet werden.
Modellbeispiel: Zeitgewinn durch Anrechnung
Zwei Annahmen vorweg: Deine Fakultät bestätigt Dir die Äquivalenz von sechs großen Scheinen nach Anlage 1 ÄApprO, und die Zielhochschule stuft Dich entsprechend ein. Nach dem Schlüssel des Landesprüfungsamts NRW (3 große Scheine = 1 Semester) sind das zwei Semester. Die Vorklinik umfasst vier Semester, Du beginnst also im 3. Fachsemester und hast bis zum Physikum noch zwei Semester vor Dir statt vier. Das spart ein Jahr.
Kommst Du mit bestandenem Physikum, richtet sich die Einstufung nach der Hochschule: Oldenburg stuft in der Regel ins 3. Fachsemester ein (zum Sommersemester ins 2.), weil die vorklinischen Inhalte dort über die ersten drei Studienjahre verteilt sind. Freiburg verlangt das Physikum für das 5. Fachsemester. Beide Rechnungen sind Modelle, keine Zusagen.
Realistische Chancen
Ein Platz im höheren Fachsemester entsteht nur durch Abgang eines Studierenden. Die Hochschulen vergeben ihn innerhalb der Regelstudienzeit: Marburg schließt Bewerbungen außerhalb der Regelstudienzeit aus und verlangt ab dem 11. Fachsemester die Zusage eines Lehrkrankenhauses und den Nachweis des Zweiten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung. Einen Härtefallantrag kennt Marburg für höhere Fachsemester nicht.
Gelingt der Wechsel nicht, bleiben der Studienplatztausch (er setzt das gleiche Fachsemester voraus), die Bewerbung im 1. Fachsemester und die Studienplatzklage.
Kann ich einfach so in ein höheres Fachsemester Medizin wechseln?
Bis wann muss ich mich für das höhere Fachsemester bewerben?
Brauche ich für ein klinisches Fachsemester das Physikum?
Kann ich aus einem anderen Studienfach in die Medizin wechseln?
Brauche ich für die Anrechnung eine Bestätigung meiner bisherigen Universität?
Quellen
- hochschulstart: FAQ, Frage zur Bewerbung nur für das 1. Fachsemester
- § 12 ÄApprO 2002: Anrechnung von Studienzeiten und Studienleistungen
- Bundesrat, Drucksache 504/26 (Beschluss vom 16.10.2026): Verordnung zur Beschleunigung der Anerkennungsverfahren
- Bezirksregierung Düsseldorf: Landesprüfungsamt, Anrechnung
- Landesprüfungsamt NRW: Merkblatt Humanmedizin (Stand 08.09.2023)
- Landesprüfungsamt Hamburg: Hinweisblatt zur Anrechnung verwandter Studienleistungen (Stand 02/2026)
- Uni Göttingen: Nachweis über die Anerkennung bisheriger Studienleistungen
- Uni Greifswald: Bewerbung im höheren Fachsemester
- Uni Marburg: Bewerbung für ein höheres Fachsemester (NC-Studiengänge)
- Uni Freiburg: Humanmedizin, Bewerbung höheres Fachsemester
- Uni Oldenburg: Humanmedizin, Bewerbung höheres Fachsemester
- Uni Hamburg: Bewerbung ins Hauptstudium (Medizin)
Stand: Oktober 2026. Fristen und Auswahlregeln gelten nach den Hochschulseiten vom 17. Oktober 2026; die Hochschulen können sie für spätere Semester ändern.